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Eine Untersuchung über die Hintergründe des Hasses und der Agitation Goebbels’ gegen den amerikanischen Spielfilm Im Westen nichts Neues nach dem gleichnamigen Bestsellerroman von Erich Maria Remarque
Von Peter Dörp
I. "Remarque-Kriegsschauplatz"1
Filmkrieg im Berliner Westen im Dezember 1930. Erster Überblick.
Am 5. Dezember 1930 findet im Berliner "Mozartsaal", Filmtheater am Nollendorfplatz, die Premiere der deutschsynchronisierten Fassung des amerikanischen Spielfilms "All quiet on the western front" (1929/30), Regie: Lewis Milestone, Produktion: Peter Laemmle, Verleih: Universal ohne jeden Zwischenfall und mit viel Beifall statt. Wie im Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque wird in der Filmadaption das Kriegserlebnis einer Schulklasse, insbesondere das des Frontsoldaten Paul Bäumer, zur erschütternden Anklage gegen Krieg und Kriegshetzer.
"Die große Schlacht des Dr. Goebbels"2
(Bärbel Schrader, 1992) beginnt einen Tag später, am 6. Dezember 1930. Mit Stinkbomben, herumlaufenden Mäusen, lauten Zwischenrufen, Einschüchterungen und Bepöbelungen des übrigen Publikums gelingt Goebbels mit seinem "Rollkommando"3
der Abbruch der Filmvorführung. Die herbeigerufene Polizei läßt den Saal räumen, kann aber nicht verhindern, daß der Berliner Gauleiter die "Nazirandale"4
auf die Straße verlegt, um den Eindruck eines "Volksprotestes" vorzutäuschen. In den nächsten 5 Tagen organisiert Goebbels bis zum Zeitpunkt des Filmverbots Protestmärsche durch ganz Berlin und verwandelt den Berliner Westen in einen "Remarque-Kriegsschauplatz", da sich die Nationalsozialisten an jedem Abend mit der Polizei Straßenschlachten liefern.
Die Aufführung des Spielfilms "Im Westen nichts Neues" wird am 11. Dezember 1930 durch die Oberprüfstelle mit der Begründung untersagt, daß der Film "das deutsche Ansehen"5
gefährde. Sie betont in dem Zusammenhang, daß das von ihr ausgesprochene Aufführungsverbot nicht "unter dem Druck der Straße"6
entstanden sei. Dennoch kann sich Goebbels in der Öffentlichkeit mit der Ansicht durchsetzen, daß das Filmverbot als "Straßensieg"7
der Nationalsozialisten, Goebbels spricht von einem "Filmsieg"8
, im Kampf gegen die preußische Regierung gewertet werden müsse.
Goebbels-Biograph Viktor Reimann bestätigt diese Ansicht.
Reimann: "Nach der Wahl vom 14. September 1930 gelingt Goebbels ein Streich, der im Bereich der Kulturpolitik einen ähnlichen Wendepunkt darstellt wie die Septemberwahl auf politischem Gebiet."9
In dieser Untersuchung soll es um die Beantwortung der Frage gehen, welche Ziele Goebbels mit seinem Kultur-"Streich" gegen die Remarque-Verfilmung verfolgte. Wie im ersten Teil der Untersuchung über "Goebbels’ Kampf gegen Remarque"10
, die sich mit der Rezeption des Bestsellers "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque durch den Berliner Gauleiter beschäftigte, sollen die Tagebücher Goebbels’ die Grundlage zur Analyse bilden. Sie enthalten offene und versteckte Anspielungen, Kommentare und Verweise, die helfen, die Hintergründe des in der deutschen Filmgeschichte größten politisch motivierten Filmskandals aufzuhellen. Über die Seriosität der Tagebücher ist bereits im ersten Teil über "Goebbels’ Kampf gegen Remarque" ausführlich gesprochen worden.
II. Goebbels’ Filmkrieg im zeitpolitischen Zusammenhang.
Der Ausgang der Septemberwahlen 1930 für die N.S.D.A.P. und Goebbels’ weiterer Kampf um die Nazi-Vorherrschaft.
Zum Ausgang der Reichstagswahlen am 14. September 1930 vermerkte Carl von Ossietzky, der Herausgeber der WELTBÜHNE, nicht ohne Sarkasmus: "Ist es nicht ein Jahrhundert her, daß uns der Triumph des Kriegsbuches von Remarque als eine spontane Wandlung zum Friedensgeist gedeutet wurde? Wir haben dem damals bei aller Anerkennung der Qualitäten des gutmeinenden Autors widersprochen. Die Friedensgesinnung ist dahin wie der Schnee vom vorigen Jahre. Denn so bunt gemischt die Wählerschaft des Nationalsozialismus auch sein mag - sie hat sich doch dazu bekannt, daß Gewalt nach innen und außen das einzige noch mögliche Prinzip darstellt. Gegen eine Million Remarque recken sich sechs Millionen Kriegsbeile."11
Was war passiert? "Der Radikalismus hat[te] gesiegt."12
Aufgrund größter wirtschaftlicher Not und Mißtrauen gegenüber den Regierungsparteien, die anstehenden Probleme lösen zu können, entschieden sich die Wähler am 14. September 1930 bei den Reichstagswahlen nicht für die ‚Friedens‘-, sondern für die ‚Kriegs‘-Parteien der Rechts- und Linkradikalen.
Im deutschen Reich: Über 6 Millionen (6.188.415) wählten die rechtsradikale Partei der Nationalsozialisten. Die N.S.D.A.P. wurde völlig unerwartet zweitstärksten Partei hinter der SPD (8.440.229).
In Berlin: Die K.P.D. wurde mit 27,3 Prozent der Stimmen knapp vor der SPD mit 27,2 % stärkste Partei. Die N.S.D.A.P. folgte mit 14,7 % als drittstärkste Partei.
Hatten sich zwei Jahre zuvor 39.000 Wähler für die N.S.D.A.P. entschieden, so waren es im September 1930 zehnmal so viel, 395.000 Wähler.
Das Gesamtergebnis für die N.S.D.A.P: 107 Abgeordnete (1928 waren es 12) durften in den Berliner Reichstag einziehen.
Am 13. Oktober 1930 marschierte trotz Uniformverbots eine "Kompanie Braunhemden"13
(Ausspruch von Goebbels), geschützt durch Abgeordnetenimmunität, in den Plenarsaal des Berliner Reichstages ein und demonstrierte ihren ‚neuen Geist‘: die Verhöhnung des Parlamentarismus und Unterhöhlung demokratischen Rechts. Zu ihnen gehörte "Dr. Paul J. Goebbels, Schriftsteller"14
- in Zivil.
Auf der Flucht vor dem Staatsanwalt wegen eines anhängigen Strafverfahrens (eine Zwangsvorführung wegen 6 Beleidigungsklagen war innerhalb der immunitätsfreien Zeit auf den 13. Oktober 1930 festgelegt worden) sicherte sich Goebbels beim raschen Betreten des Reichstagsgebäudes in Berlin unerkannt die ihn schützende Immunität.15
Am 15. September 1930, unmittelbar nach Bekanntwerden des großen Wahlerfolges der N.S.D.A.P., hatte der Berliner Gauleiter triumphierend und fordernd zugleich in sein Tagebuch geschrieben: "Jubel um Jubel, ein unglaublicher Aufstieg. Eine hinreißende Kampfstimmung. Die bürgerlichen Parteien sind zerschmettert. [...] . Ein Begeisterung wie 1914. [...] . Überall dasselbe Bild. Freude, Kampfstimmung. [...]. In den kommenden Monaten wird es heiß hergehen. Die Kommune hat auch gewonnen. Wir aber sind zweitstärkste Partei. Jetzt weiter so. Nicht müde werden, nicht erlahmen. Kampf heißt die Parole.16
Nur wenige Tage später, am 25. September 1930, beteuerte Hitler als Zeuge bei einem Hochverratsprozeß in Leipzig gegen drei Reichswehroffiziere unter Eid, daß seine Partei "auf dem Boden der Legalität" stehe und nur auf legalem Wege an die Macht gelangen wolle. Mit dieser Aussage bestätigte und verstärkte er den Widerspruch des Reichspräsidenten Hindenburg vom 23. September 1930 gegenüber der ausländischen Presse, die gemeldet hatte, daß mit dem Wahlerfolg der N.S.D.A.P. ein Putsch von rechts zu erwarten sei. Dennoch versäumte Hitler nicht, Drohungen auszusprechen, um seine Gegner einzuschüchtern.17
M.W.Kempner, späterer U.S. Ankläger im Nürnburger Prozeß, der als Justitiar der Polizei-Abteilung im Preußischen Innenministerium von 1929 an damit beauftragt war, Dokumente über die staatsfeindlichen Tätigkeiten der N.S.D.A.P. zusammenzustellen, wertete Hitlers Haltung bereits 1930 als plumpe Täuschung.18
Die "Preußische Denkschrift von 1930", die im August 1930 von Kempner fertiggestellt worden war, beweist, daß "die NSDAP als staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung"19
hätte angesehen werden müssen. Der Wahlerfolg der Nationalsozialisten und die Legalitätsbekundungen Hitlers im September 1930 sorgten, wie man heute weiß, für einen "verpaßten Nazi-Stopp."20
Nach Kempners Analyse befand sich die N.S.D.A.P. bis Ende 1929 noch im "ersten Stadium der sog. Mission des Nationalsozialismus", d.h. die nationalsozialistische Propaganda suchte mit den Mitteln der "Aufwühlung", durch eine revolutionäre Propaganda, "die Demokratie mit ihren eigenen, also mit parlamentarischen, legalen Mitteln, sturmreif"21
zu machen.
Mit der Bekämpfung des Youngplans im September 1929 hatte Goebbels das "zweite Stadium, das Stadium der Eroberung der Macht im Staate zum Aufbau des ‚Dritten Reiches‘"22
von Berlin aus neu organisiert, indem er "Widerstand" und "Aufruhr" auf die Straße verlegte, um so einen ‚gewaltsamen Umsturz‘ herbeiführen zu können.23
Am 27. September 1929 hielt Goebbels im Berliner Sportpalast eine Rede, die mit ausschlaggebend dafür werden sollte, daß auf Antrag des Oberreichsanwalts vom 10. April 1930 an eine "Voruntersuchung" gegen ihn wegen Hochverrats24
eröffnet wurde: "Das Volksbegehren [gegen den Youngplan] ist nur der Anfang. Heute noch Begehren, morgen ein Volksprotest, übermorgen eine Volksrevolution. Die jüdische Journaille möge sich ruhig hinter Hindenburg verstecken. Sie wird herausgeholt werden. Die Revolution von 1918 war eine jüdische Revolution. Jetzt heißt es. Von der Revolte zur Revolution, von der Entwaffnung zur Bewaffnung, von der Entmännlichung zur neuen Männlichkeit, von der Zertrümmerung zur Wiedereroberung unseres deutschen Nationalismus."25
Ausgehend von diesen Redepassagen wird verständlich, warum Goebbels im September 1929 in den Streit um Remarque eingriff und den "Kampf gegen Remarque" mit einer "Kriegserklärung" an die demokratische Weimarer Presse eröffnete. Gegen "Remarque" vorzugehen, sah sich Goebbels deshalb gezwungen, weil er in der massenhaften Verbreitung des Bestsellers "Im Westen nichts Neues" (Millionenauflage innerhalb eines Jahres), seine Bestrebungen zum "Aufruhr" gegen die Weimarer Republik stark gefährdet sah. Wie man weiß, enthält der Roman die von den Nationalsozialisten unannehmbare Idee der Völkerversöhnung (Goebbels diffamierte sie als "jüdische Revolution"), spricht sich gegen jede kriegerische Auseinandersetzung und für Friedensliebe aus (Goebbels prangert den Pazifismus als "Entwaffnung" und "Entmännlichung" an) und wirbt für den Abbau des Chauvinismus (Goebbels sieht darin die "Zertrümmerung" des "deutschen Nationalismus").
Den Roman "Im Westen nichts Neues" hatte Goebbels erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1929 gelesen. Er ‚verschlang‘ das Buch innerhalb von 3 Tagen (21. bis 23. Juli 1929), und zwar zu einer Zeit, in der der Höhepunkt der Auseinandersetzung um den Roman bereits überschritten war. Der rechtskonservative Autor Roman Hoppenheit verbreitete in dem Zeitungsartikel "Der Fall Remarque" (13. Juli 1929) die Einsicht, daß sich der Fall Remarque-Ullstein zu einer kulturpolitischen Niederlage der gesamten Rechten ausgewachsen habe. Dem Vielleser Goebbels, der die Kulturszene genau beobachtete, dürfte die Reaktion von Hans Teichmann auf den Aufsatz Hoppenheits nicht entgangen sein. Teichmann schloß sich in seinem Aufsatz: "Kulturpolitische Niederlage. Anmerkungen zum Fall Remarque-Ullstein" den Ansichten Hoppenheits an und forderte alle rechten Kräfte auf, die erlittene "kulturpolitische Niederlage" wieder gutzumachen. Völlig falsch sei es gewesen, den Kampf gegen die Person Remarque und seinen Bestseller gerichtet zu haben, vielmehr hätte man die "jüdischen Distributoren" des Romans - also Ullstein - massiv attackieren müssen. Goebbels folgte dieser Aufforderung bereits im September 1929.26
Das "Volksbegehren" gegen den Youngplan scheiterte, aber auch die von Hitler nach den Septemberwahlen 1930 angestrebte mögliche Regierungsbeteiligung der N.S.D.A.P. im Oktober 1930.
Beim Treffen Brüning-Hitler am 6. Oktober 1930 hatte Brüning der N.S.D.A.P. die Rolle einer "konstruktiven Opposition" zugedacht. Hitler, der die Macht wollte, ließ sich auf die Pläne Brünings nicht ein.
Bei der Verteilung der Ämter hatte Hitler Goebbels "die Macht über Preußen"27
versprochen. Damit wäre bei einer nach Hitlers Vorstellungen durchgeführten Regierungsbeteiligung im Oktober 1930 Goebbels’ größter politischer Traum in Erfüllung gegangen.28
Trotz der Legalitätsbekundungen Hitlers, die Goebbels für einen "genialen Schachzug"29
hielt, plante er nach der Absage Hitlers an Brüning von Berlin aus die Politik einer ‚destruktiven Opposition‘, die Fortsetzung "des Widerstandes und des Aufruhrs" auf der Straße.
Bei veränderter politischer Landschaft blieben Goebbels’ "Angriffs"-Ziele, die N.S.D.A.P. an die Macht zu führen, unverändert. Jedoch die Taktik zum Erreichen dieser Ziele wurde von ihm neu durchdacht. Mit 395.000 N.S.D.A.P.-Wählerstimmen im Rücken suchte er mit der Ernennung der Sozialdemokraten Severing zum preußischen Innenminister und Grzesinski zum Berliner Polizeipräsidenten30
am 22. Oktober 1930 Stör-Anlässe, um bei der Berliner Bevölkerung den Eindruck zu erwecken, die beiden SPD-Vertreter seien nicht fähig, in Berlin für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Dem In- und Ausland sollte der Eindruck übermittelt werden, die gesamte Bevölkerung stünde hinter den Forderungen der rechtsradikalen N.S.D.A.P. und empöre sich "spontan" gegen ungerechtfertigte Maßnahmen von Vertretern der Regierungsparteien.
Arnolt Bronnens Rolle im "Kultur-Kampf" der intellektuellen Rechten und sein Einfluß auf Goebbels’ kulturpolitisches Handeln im Oktober 1930.
Eine dubiose Rolle spielte vom Oktober 1930 an der österreichische Schriftsteller Arnolt Bronnen für Goebbels’ kulturpolitisches Denken und Handeln. Der Expressionist Arnolt Bronnen31
muß zu den schillerndsten Figuren der Zeitgeschichte gerechnet werden. Ab 1922 gehörte er noch zum engsten Freundeskreis von Bertolt Brecht. Die Zusammenarbeit zwischen Bronnen und Brecht war so intensiv, daß sie noch im April 1927 von Kritikern als "Dramatiker-Zwillinge"32
angesehen wurden. Dazu gesellte sich Johannes R. Becher, so daß die einfallsreichen Berliner bald ein bekanntes Sprichwort witzig abwandelten, um die politische Theaterarbeit der drei zu ironisieren: "Der Becher geht solange zum Bronnen, bis er brecht."33
Von Bronnen heißt es, daß er zwischen Leben und Kunst keinen Unterschied machte.34
Als Outcast der Literatur benahm er sich im öffentlichen Kulturbetrieb als radikaler Unruhestifter. So störte er z.B. im September 1924 die Berliner Premiere von Schnitzlers "Der einsame Weg". Und im März 1926 skandalisierte er gemeinsam mit Alfred Döblin eine Lesung im Staatstheater Dresden.
Von 1927 an schockierte und düpierte er seine links-liberalen Freunde mit einem Gesinnungswandel zur extremen Rechten. Er bezeichnete sich als Schriftsteller einer "Tendenz der rechten Hand" ... ‚nicht völkisch, aber Faschist‘"35
und suchte die Bekanntschaft mit Rechts-Intellektuellen wie den Gebrüdern Jünger36
, Friedrich Hielscher, Ernst Niekisch, Ernst von Salomon, Edmund Straßer u.a.
Ausgehend von seinen Theaterexperimenten mit Bertolt Brecht, entwickelte Bronnen ein "episches Theater der nationalen Front" ("Ostpolzug"), das ihn vom liberalen Kulturbetrieb zunehmend isolierte und dafür sorgte, daß die Bühnen sich weigerten, seine Stücke aufzuführen. Auf einer Arbeitstagung der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste und der Reichs-Rundfunkgesellschaft "Dichtkunst und Rundfunk" in Kassel-Wilhelmshöhe am 30.9./1.10. 1929 kam es zu einem heftigen Streitgespräch zwischen den ehemaligen Freunden Bronnen und Döblin, als Bronnen in einem Beitrag eine Blut-und-Boden-Kultur im deutschen Rundfunk forderte.37
Als Hörspieldramaturg der "Berliner Funkstunde" setzte er nach dem überraschenden Wahlsieg der Nationalsozialisten am 24. September 1930 seine Idee in die Tat um, Links- und Rechts-Intellektuelle zu kultur-politischen Fragen im Rundfunk vor dem Mikrofon debattieren zu lassen. Zu diesem Zweck suchte Bronnen am 3.Oktober 1930 Goebbels zum ersten Mal auf, um ihn für eine Rundfunkdebatte mit Erwin Piscator zu gewinnen. Goebbels kannte Bronnen bis dahin noch nicht persönlich, hatte aber dessen Roman "O.S." bereits gelesen, von dem er begeistert war und über den er sich in seinem Tagebuch38
lobend geäußert hatte. Goebbels sagte zu, da er im Rundfunk das geeignete Propaganda-Medium zur Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie39
sah.
Am 16. Oktober 1930 stattete Goebbels Bronnen einen Gegenbesuch in dessen Wohnung ab. Bei ihm machte Goebbels zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Rechts-Intellektuellen Jünger und Schauwecker, die er wegen ihrer Eitelkeiten "fast unerträglich"40
fand, sie aber dennoch für den Feuilletonteil seiner Berliner Nazi-Tageszeitung "Der Angriff" gewinnen wollte. Seinem Temperament entsprechend, faßte er seine Meinung über die Intellektuellen mit der knappen Feststellung zusammen: sie seien "radikal im Denken, aber schlapp im Handeln."41
Mit Trillerpfeifen und Autohupen gegen Thomas Mann.
Die Störung der Lesung Thomas Manns: "Appell an die Vernunft" am 17. Oktober 1930 durch Arnolt Bronnen und 20 S.A.-Leuten Goebbels’ .
Bronnen wie Goebbels verschweigen in ihren Selbstdarstellungen (Bronnen in "Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll", 1954 und Goebbels in seinem "Tagebuch") die am Tage nach ihrem Treffen, am 17. Oktober 1930, stattfindende Lesung "Appell an die Vernunft"42
des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann im Berliner Beethovensaal. Bronnen hatte vor, die Lesung Thomas Manns zu besuchen, von dem er wußte, daß dieser sich ausdrücklich gegen jede Art von Faschismus aussprechen würde. Durch lautes Dazwischenreden wollte Bronnen den Vortrag solange stören, bis man sich im Saal auf eine Diskussion mit ihm einlassen würde. In seinem "Protokoll" gibt Bronnen an, daß er von einem Besuch der Lesung Thomas Manns und von seinem Vorhaben Goebbels gegenüber kein Wort erwähnt habe. Umso erstaunter sei er gewesen, als ihn Goebbels am 17. Oktober morgens völlig überraschend angerufen und ihm 20 S.A.-Leute zur Verstärkung versprochen habe. Nach den Angaben Bronnens müßte es Goebbels gelungen sein, innerhalb weniger Stunden für alle 20 beteiligten S.A.-Leute Karten und Leih-Smokinge für ihre Maskerade zu besorgen. Die Presse unterstellte Bronnen, er habe den Thomas Mann-Skandal mit einer "intellektuellen Sprengkolonne" vorbereitet. Bronnen bestreitet das in seinem "Protokoll", gibt aber zu, daß er nicht alleiniger Störenfried gewesen sei, der die Lesung unterbrochen habe. Er behauptet zwar, daß sich die von Goebbels abkommandierten S.A.-Leute still verhalten hätten, doch das "Berliner Tageblatt" widerspricht ihm: Immer an entsprechenden Textstellen, wo sich Thomas Mann vehement gegen jede Form von Faschismus aussprach, bekam er von seinen Zuhörern demonstrativen Beifall, "in dem die drei Trillerpfeifen und Autohupen einer intellektuellen Sprengkolonne untergingen" ("Berliner Tageblatt", 18. Oktober 1930, Abendausgabe).
Goebbels jedenfalls notierte am 18. Oktober befriedigt in sein Tagebuch: "Unsere Leute haben Thomas Mann auf den Kopf gespuckt, der in einem Vortrag ‚Appell an die Vernunft‘ uns schamlos beleidigt hat: ‚Barbaren‘."43
Er erwähnte Bronnen mit keinem Wort, obwohl dieser nach dem Skandal das Stadtgespräch war.
24 Jahre später, 1954, bezeichnete der österreichische Schriftsteller sein Handeln als "kindische Katastrophen-Politik."44
Tatsache ist, daß Bronnen mit seiner späteren Ehefrau Olga Förster45
, eine Schauspielerin der n.s.-Bühne, Goebbels’ Nähe suchte. Beide wollten ihn als Co-Autor für ein politisches "Spektakelstück"46
im Sportpalast gewinnen, in dem das Publikum mitspielen und "über verräterische Volksminister" ein "Volksgericht" abhalten sollte. Goebbels fand diesen Plan zwar sehr interessant, er wurde jedoch nie realisiert. Statt dessen traf Goebbels anfangs Dezember 1930 (?) alle Vorbereitungen zu einem Schauspiel-Spektakel, das nicht im Sportpalast, sondern im Mozart-Saal Berlins (Terra-Lichtspiele) stattfinden und den Plan Bronnens weit in den Schatten stellen sollte.
Nach Bronnen soll seine "kindische Katastrophen-Politik" Goebbels’ theatralische Politikerphantasie beflügelt und den Anstoß zur Randale im Berliner Mozartsaal und auf den Straßen des Berliner Westens gegeben haben.
Bronnen: "Durch den Thomas-Mann-Skandal hatte Goebbels Blut geleckt. Er sah, daß man auch durch ‚Kultur-Kampf‘ Propaganda machen konnte. Als eine Berliner Verleih-Firma den nach dem Buche von Remarque gedrehten Film ‚Im Westen nichts Neues‘ im Nollendorf-Theater groß herausbringen wollte, sah er seine Stunde gekommen. Ich sollte mit ihm mitarbeiten, diese Aufführung durch internen Krakeel wie auch durch einen gigantischen Massen-Aufmarsch der ‚Nationalen‘ vor dem Theater nicht nur zu stören, sondern sie auch zu sprengen und weitere Aufführungen dadurch unmöglich zu machen.
Ich weigerte mich. Nicht nur, weil ich Remarque schätzte, sondern auch, weil es mir sinnlos schien, Radau zu wollen. Ich hatte nie etwas anderes gewollt als Diskussion. Kann man indes mit einem Film diskutieren? Wollte man die Aufführung verhindern - welche Methode des politischen Kampfes mir aus prinzipiellen Erwägungen nicht lag -, so gab es wirksamere Methoden als die von Goebbels geplanten. Ich lehnte also ab ..."47
Dennoch nahm Bronnen neben Goebbels’ Mitarbeitern der Zeitungsredaktion "Der Angriff" und nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten an den Vorbereitungen zur "Sprengung" der Filmveranstaltung teil.
Goebbels in seinem Tagebuch:
5. Dezember 1930 [Freitag] Goebbels hatte sich Abgeordnete der N.S.D.A.P. als "Rollkommando" ausgewählt, da sie bei strafbaren Handlungen durch Immunität geschützt waren. Daß er unter "schauen" etwas anderes verstand, als sich den amerikanischen Kriegsfilm nur ansehen zu wollen, verdeutlichen die Anführungszeichen, die Goebbels beim Abfassen der Tagebuchnotizen setzte. Sie sind ein Indiz dafür, daß nicht der Film, sondern die gesamte Filmveranstaltung zum Kriegs-Schauspiel Goebbelscher Machart umfunktioniert werden sollte.
III. Goebbels’ Ziele im Kampf gegen den Remarque-Film.
1. Kampf um öffentliche Anerkennung.
Ziel: Persönliche Aufwertung als Skandalpolitiker wegen Prestigeverlust innerhalb und außerhalb der eigenen Partei.
Nach den Wahlen benötigte Goebbels ein ihn aufwertendes Ereignis, um von parteiinternen Intrigen und Zwistigkeiten innerhalb der Partei abzulenken und verlorengegangene Akzeptanz innerhalb und außerhalb der Partei zurückzugewinnen. Bei aller Schadenfreude Goebbels’ über die gelungene "Sprengung im Mozartsaal" kann man seinen Tagebuchnotizen entnehmen, daß seine Stellung in der eigenen Partei zu dieser Zeit nicht gefestigt war. Er meinte, man wolle ihn in der Fraktion "ausschalten".
Noch am 28. November 1930 hatte Goebbels in sein Tagebuch geschrieben, er fühle sich überall von Feinden umgeben. Am 7. Dezember schrieb er:
7. Dezember 1930 [Sonntag]
"Gestern: den ganzen Tag im Reichstag gesessen. [...] Frank50
spricht für uns. Mäßig. Man will mich anscheinend in der Fraktion ausschalten. Aber die Redner, die man vorschickt, sind dann auch so schlecht, daß sich nicht einmal das Zuhören lohnt. [...] Das Gespräch des Tages ist unsere Sprengung im Mozartsaal. Die Presse ist voll von Wut und Haß oder Begeisterung. Ich habe wieder ein mal die richtige Nase gehabt. Unsere Abgeordneten sind voll Wonne. Das war ein Stück. [...]."51
Goebbels’ Isolationsgefühle innerhalb der Partei hatten verschiedene Gründe:
- 1. Grund: Der Hindenburgprozeß.
Beim Propagandafeldzug gegen den Youngplan hatte Goebbels seinen Mitarbeitern des "Angriffs" die Direktive ausgegeben, im Ton äußerst scharf zu sein und auch die Person Hindenburg nicht zu schonen. Die Mitarbeiter des "Angriffs", Schweitzer und Lippert, hielten sich an die Anordnungen. Ergebnis: Am 1. Januar 1930 verklagte Hindenburg Goebbels wegen Beleidigung. Mit dieser Klage brachte er die Parteispitze in München, zu der Goebbels zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehörte, in Verlegenheit. Der Reichspräsident sollte, nach ihrer Meinung, aus taktischen Gründen von Anfeindungen verschont bleiben. Goebbels suchte deshalb nach Rechtfertigungsgründen (7. Januar 1930). Sie sollten "scharf", "unangreifbar", "logisch" und "eindeutig" sein - eine Art "Gegenangriff". Der "Stahlhelm", gegen den sich Goebbels auf Anordnung Hitlers hin still zu verhalten hatte, plante wegen des Hetzartikels Goebbels’ gegen Hindenburg einen nicht näher beschriebenen "Vorstoß". Trotzdem stellte Goebbels am 10. Januar die Gegenschrift fertig, prüfte sie und fand sie "unanfechtbar". Er bezichtigte Hindenburg des Verrats am deutschen Volk. Am 11. Januar ging sie in Druck. Das Ergebnis: Vom 13. Januar an schrieben die Berliner Tageszeitungen über eine Maßregelung Goebbels’ durch Adolf Hitler wegen des Angriffs auf Hindenburg. Er sei seines Amtes enthoben und Straßer an seine Stelle gesetzt worden. Goebbels beklagte es, keine eigene Tageszeitung zu besitzen, um sofort dementieren zu können. Das geschah erst drei Tage später, am 16. und 18. Januar. Im März mußte Goebbels tatsächlich eine Verstimmung Hitlers gegen ihn eingestehen.52
Am 11. März hob die D.N.V.P. die Immunität Goebbels’ auf. Am 31. Mai wurde der Hindenburgprozeß zum ersten Mal verhandelt, und Goebbels erhielt eine milde 800 Mk Geldstrafe. Dennoch ging er in Berufung. Die Berufungsverhandlung fand am 14. August statt. Sie begann mit einer Sensation, da der Verteidiger Goebbels’ einen Brief Hindenburgs vorlegen konnte, in dem stand, daß Hindenburg an einer Bestrafung Goebbels’ kein Interesse mehr habe. Goebbels wurde schließlich auf Kosten der Staatskasse freigesprochen.
- 2. Grund: Der Straßerkonflikt.
Anfangs des Jahres 1930 hatte Goebbels geplant, aus der Wochenzeitung "Der Angriff" eine Tageszeitung (Abendblatt) zu machen, die ab 1. März 1930 erscheinen sollte. Aber daraus wurde nichts. Die Parteispitze in München vertröstete den Berliner Gauleiter damit, daß für dieses Vorhaben erst eine Druckmaschine gebaut werden müsse, sie könne aber nicht vor dem 1.September des Jahres fertiggestellt werden. Von München aus hatte man andere Pläne. Hitler wollte den "Völkischen Beobachter" auch in Berlin drucken lassen. Zum offenen Konflikt zwischen Goebbels und den Brüdern Straßer, den Herausgebern der Nationalsozialistischen Briefe (N.B.), kam es, als diese ihrerseits völlig überraschend zum 1. März eine neue Berliner Tageszeitung "N.S." des Kampf-Verlages (K.V.) ankündigten. Alle Interventionen Goebbels’ in München halfen nichts, Hitler reagierte zunächst überhaupt nicht. Dann hieß es, er wolle den Verlag von München aus aufkaufen lassen. Schließlich sollte die Tageszeitung in München erscheinen. Ergebnis: Am 1. März, am Tage des Begräbnisses von Horst Wessel in Berlin, zu dem Goebbels Hitler eingeladen hatte, er aber nicht erschien, veröffentlichten die Gebr. Straßer ihre Tageszeitung in Berlin. Goebbels fühlte sich hintergangen und "an die Wand gedrückt"53
. Da aus München keine Reaktion erfolgte, blieb für Goebbels nur eins, er kündigte für den 1. Mai eine Erhöhung der Seitenzahlen seiner Wochenzeitung auf 10 Seiten an und ließ sich auf einen Zeitungsstreit mit den Gebr. Straßer ein. Hitler griff am 26. April in den Streit ein. Auf einer Führertagung in München nahm er offen Stellung gegen den Straßer-Flügel und ernannte Goebbels, der vorhatte, ganz zurückzutreten, offiziell zum Reichspropagandachef. Ergebnis: Goebbels rückte ins erste Glied der Parteispitze auf und übernahm das Amt, das Gregor Straßer 1927 an Hitler abgetreten hatte. Trotz dieser Aufwertung Goebbels’ setzte sich der Zeitungsstreit zwischen ihm und Straßer in den Zeitungen "Angriff" und "N.S." bis zum August 1930 fort.
- 3. Grund: Der Stennes-Putsch und der Aufstand der S.A.
Das Ereignis, das Goebbels’ Stellung innerhalb der Partei am stärksten erschütterte, war der Stennes-Putsch und der Aufstand der S.A. in Berlin gegen ihn und die Partei. Vierzehn Tage vor den Reichstagswahlen, am Abend des 30.August 1930, besetzten und verwüsteten der Osaf (Oberste S.A.-Führer) des Gaus Ost, Stennes, mit S.A.-Leuten des Sturms Charlottenburg 31 die Geschäftsstelle Goebbels’ in der Hedemannstraße. Der Grund: Unzufriedenheit wegen nicht eingelöster Versprechen. Goebbels hatte entgegen seiner Zusagen die S.A. bei der Nominierung der Kandidaten für den Reichstag nicht berücksichtigt. Nach Bekanntwerden dieser Täuschung kündigte Stennes die Gefolgschaft auf und nutzte Goebbels Abwesenheit in Breslau, um die Geschäftsstelle zu überfallen. Goebbels kehrte eilig nach Berlin zurück. Hitler flog sofort nach Berlin, um zu vermitteln. Hitlers Zusage - Beitragserhöhungen zugunsten der S.A. - akzeptierte Stennes.
Goebbels mußte sich etwas einfallen lassen, um sich mit der S.A. zu versöhnen.54
Es ‚gelang‘ ihm mit gezielten Maßnahmen im September 1930 beim Bekanntwerden der Reichswahlergebnisse (Straßenaufmärsche in ganz Berlin), im Oktober 1930 bei der Rede Thomas Manns (Störung der Rede mit Trillerpfeifen und Autohupen) und beim Einzug der nationalsozialistischen Abgeordneten in den Reichstag (‚Glasnacht‘, Steinwürfe auf die Fensterauslagen jüdischer Geschäfte im Berliner Westen), im November 1930, in dem "In der Politik nichts Neues"55
(Goebbels benutzte das bekannte Remarque-Wort in seinem Sinne) geschah, setzte Goebbels seine bereits länger andauernde Beleidigungskampagne gegen den stellvertretenden jüdischen Berliner Polizeipräsidenten Dr. Bernhard Weiß fort, den er in seinem Berliner Kampfblatt "Der Angriff" als "Esel Isidor" beschimpfte und durch Sprechchöre der S.A. auf der Straße herausforderte. Mit der Ernennung des Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski, die am 4. November 193056
erfolgte, war der direkte Gegner ausgemacht, den Goebbels mit der S.A. im Dezember 1930 anläßlich der deutschsynchronisierten Erstaufführung des amerikanischen Spielfilms "Im Westen nichts Neues" nach Remarque im Mozartsaal am Nollendorfplatz in einen Filmkrieg verwickelte ("Sprengung" der ersten öffentlichen Filmvorführung von "Im Westen nichts Neues" mit Stinkbomben und weißen Mäusen mit anschließenden Straßenkrawallen).
2. Kampf um ‚nationalsozialistisches Recht‘.
Ziel: Selbstjustiz gegen einen Kriegsfilm mit radikal-pazifistischer Tendenz.
Da es den national-konservativen Kräften (u.a. der DNVP57
) nicht gelungen war, ein Aufführungsverbot des amerikanischen Spielfilms im Deutschen Reich durchzusetzen, organisierte Goebbels einen Filmkrieg mit dem Ziel, das Filmverbot mit Hilfe von Krawallen doch noch zu erkämpfen. Zuhilfe kamen ihm dabei Anträge der drei (mit an der Regierung beteiligten Nationalsozialisten) Länderregierungen Sachsens, Thüringens und Braunschweigs, die bei der Filmoberprüfstelle ein Vorführverbot des Films beantragt hatten. Aber erst nach der Premiere des Films in Berlin, Mitte Dezember, sollte die Entscheidung fallen. Goebbels wußte von der Zusammensetzung der Filmoberprüfstelle. Bereits vor der neuen Entscheidung war klar, daß ein Vorführverbot ausgesprochen werden würde.58
Deswegen hatte er vor, bis zur Mitteilung des Filmverbotes den Berliner Westen in einen "Remarque-Kriegsschauplatz" zu verwandeln, um bei erfolgtem Verbot sich brüsten zu können, die "n.s.Straße" diktiere "der Regierung ihr Handeln".
Wann Goebbels den Entschluß zum Filmkrieg gefaßt hatte, läßt sich anhand des Tagebuchs nicht beantworten. Zwei Tage vor der Premiere des Spielfilms "Im Westen nichts Neues" in Berlin, am 3.Dezember 1930, schrieb Goebbels zum ersten Mal in sein Tagebuch, daß er vorhabe, mit Freunden in den Film zu "gehen". Dabei spielte er unmißverständlich darauf an, daß der Kinobesuch dazu benutzt werden sollte, die Vorstellung so massiv zu stören, daß sie abgebrochen werden mußte.
3. Dezember 1930 [Mittwoch] Hatte der Berliner Gauleiter den Gegenstand seines Hasses, den Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque, gekannt, so muß man davon ausgehen, daß Goebbels den neuen "Gegenstand seines Hasses", die filmische Adaption des Remarque-Bestsellers, gar nicht kennenlernen wollte. Er dachte gar nicht daran, sich auf eine inhaltliche Diskussion über den Film einzulassen, denn er wollte den Fehler der konservativen Rechten beim Streit um den Remarque-Bestseller nicht wiederholen. Es reichte ihm, was man im In- und Ausland über den Film erzählte und was die Zeitungen im Vorfeld der Erstaufführung in Deutschland debattierten. Goebbels wußte von der Aufführung des Films in Paris, von der gekürzten und von der abgeschwächten deutschen Fassung60
, die im Deutschen Reich gezeigt werden sollte und davon, daß der deutschstämmige jüdische Amerikaner Laemmle die Verfilmungsrechte vom Ullsteinverlag erworben hatte.
Goebbels sah in der Verfilmung des Remarque-Bestsellers mit Hilfe jüdischen Kapitals die Fortsetzung der "jüdischen Mache".61
Er ging davon aus, daß der Ullstein-Verlag mit der (Vor)-Veröffentlichung des Romans "Im Westen nichts Neues" Ende 1928-1929 angesichts der Forderungen im Youngplan eine Versöhnungskampagne gegen die nationalistischen Interessen der konservativen Rechten gezielt eingeleitet hatte. Mit dem Verkauf der Verfilmungsrechte an den amerikanischen Produzenten Laemmle Mitte 1929 und mit der noch Ende 1929 realisierten Verfilmung des Bestsellers war klar, daß die hitzige Debatte um Remarque neuen Nährboden bekommen würde. Aus dieser Abwehrhaltung heraus nahm sich Goebbels vor, die Distributoren des Remarque-Films und das Kinopublikum zu verhöhnen und sie als "Eunuchen" zu beschimpfen und zu bekämpfen.
Goebbels’ Tagebuchnotizen strotzen von Überheblichkeiten, die sich nur aus seiner hundertprozentigen Identifikation mit der nationalsozialistischen Ideologie erklären lassen. So schrieb er zu den von ihm organisierten Vorfällen:
6. Dezember 1930 [Samstag]
"[...] Beratung der Abgeordneten und dann geht's abends in den Film. Schon nach 10 Minuten gleicht das Kino einem Tollhaus. Die Polizei ist machtlos. Die erbitterte Menge geht tätlich gegen die Juden vor. Der erste Einbruch in den Westen. ‚Juden heraus!‘ ‚Hitler steht vor den Toren!‘ Die Polizei sympathisiert mit uns. Die Juden sind klein und häßlich. Draußen Sturm auf die Kassen. Fensterscheiben klirren. Tausende von Menschen genießen mit Behagen dieses Schauspiel. Die Vorstellung ist abgesetzt, auch die nächste. Wir haben gewonnen. Ich sitze mit meinen Jungens noch im Café. Erlebnisse werden ausgetauscht, es ist nun Brüsten, aber alles hat geklappt. Und dann rede ich vor überfülltem Saal in Lichterfelde. Heute morgen. Die Zeitungen sind voll von unserem Protest. Aber selbst das 'B.T.'62 wagt nicht, gegen uns zu schimpfen. Die Nation steht auf unserer Seite. Also: Sieg! [...]."63
Bei der Schilderung der Vorfälle in seinem Tagebuch überzeichnete und verzerrte Goebbels die Realität bewußt. Er wußte genau, daß es sich bei den an der Störaktion Beteiligten nicht um eine "erbitterte Menge", sondern um seine eigenen Parteigenossen in Zivil handelte, von denen er wußte, daß sie gegen Kinobesucher "tätlich" vorgehen würden.
So wußte er auch, daß im Zuschauerraum nicht nur "Juden" saßen. Dagegen nahm er das kriminelle Vorgehen seiner S.A. ("meine Jungens") wohlwollend zur Kenntnis. Es störte ihn nicht, daß die Randalierer die Kassiererin tätlich angriffen, die Kasse stürmten und Fensterscheiben einwarfen. Da die herbeigerufene Polizei nur zögernd eingriff, wertete Goebbels dieses Verhalten als "Sympathie"-Kundgebung der Polizei. Was die Zurückhaltung des Berliner Tageblatts in der Berichterstattung betrifft, so ergab sie sich aus der Irritation über das verdeckte Handeln Goebbels’, zu dessen Strategie gehörte, am ersten Tag des Filmskandals in der Öffentlichkeit den Eindruck entstehen zu lassen, als habe er mit allem nichts zu tun.64
Nicht die Nationalsozialisten, sondern alle "deutschbewußten" Zuschauer, so ließ er im "Angriff" verlauten, hätten sich bei der Vorführung des Films "spontan" gegen den Film empört.
Das Gegenteil ist richtig: Goebbels hatte die "Sprengung" der ersten öffentlichen Filmvorführung minutiös durchgeplant. Er kannte aus den Erstbesprechungen der national-konservativen Zeitungen der Premiere vor geladenen Gästen die beanstandeten Stellen. Ohne den Film gesehen zu haben, wußte er von dem genauen Ablauf der Handlung (das betrifft die erste halbe Stunde). Das Zeichen zum Aufruhr im Saal erfolgte später als nach "zehn Minuten", und zwar an der Stelle, wo die freiwilligen Oberprimaner zum ersten Mal zum Drahtziehen an die Front geschickt wurden und der erste Granatenangriff durch die Franzosen erfolgte. Behm, den die anderen Klassenkameraden zum Mitmachen überredet hatten, machte sich dabei vor Todesangst in die Hosen. An dieser Stelle erklang vom Rang her, wo Goebbels saß, der Ruf: "Das müssen sich Deutsche in Deutschland gefallen lassen."65
Auf dieses verabredete Zeichen hin begannen die Nationalsozialisten in Zivil, die sich im gesamten Saal strategisch verteilt hatten, mit einem Protestlauf innerhalb des Kinos, beschimpften und belästigten das übrige Publikum im Parkett und in den Logen. Die Lichter im Kino wurden eingeschaltet, während der Film weiterlief und auf der Leinwand gezeigt wurde, wie Behm, von Granatsplittern getroffen, blind in die feindlichen Linie hineintorkelte und erschossen wurde. Inzwischen war Polizei eingetroffen, die sich vor die Leinwand stellte, um die Unruhestifter auszumachen. Dennoch gab es "Faustkämpfe"66
im Parkett, und die ersten Stinkbomben wurden gegen die Leinwand geworfen. Ein Nationalsozialist unterstützte den "pestilenzartigen Geruch" mit der Bemerkung, "ein Jude" habe "in die Hosen gesch..."67
Auf der Leinwand erlitt inzwischen der freiwillige Oberprimaner Kemmerich beim Trommelfeuer im Unterstand angesichts des ersten toten Klassenkameraden Behm einen Frontkoller. Der keifende Ruf "Mäuse im Saal! Mäuse im Saal!" war für alle Nationalsozialisten das Signal zur "Sprengung" der Veranstaltung. Sie sprangen auf, stürmten brüllend zur Kasse und überfielen die Kassiererin mit den Worten: "Geld heraus, Juden heraus, Schluß mit diesem Judendreck!"68
Sie stahlen die Einnahmen aus der einen Kasse und zerschlugen die Fensterscheiben der anderen Kassen. Die Vorstellung war inzwischen abgebrochen worden. Die Polizei ließ den Kinosaal räumen und nahm die ersten Randalierer fest.
Arnolt Bronnen, der sich, wie er in seinem "Protokoll" mitteilt, an dem Filmskandal nicht aktiv beteiligen wollte, kam nach Abbruch der Filmvorführung als Augenzeuge hinzu. Er bemerkte besonders die von den Nationalsozialisten in Zivil vor dem Kino bewirkte Irritation unter den Beteiligten und Unbeteiligten. Viele wußten überhaupt nicht, worum es ging und wogegen protestiert wurde. Bronnen: "Ich fuhr hinunter zum Nollendorf-Platz, es war kein Durchkommen. Riesige Menschen-Massen stauten sich in den breiten Straßen, Überfall-Kommandos der Polizei pflügten sich durch sie hindurch, es war ein Geschrei und Gejohle, und wer nicht aufpaßte, bekam eins mit dem Gummi-Knüttel. Dabei war das Ganze ein Kampf um gar nichts. Kein Mensch wußte, worum es ging, man wußte weder von Remarque noch vom Film etwas, es gab Radau, weil diesen Menschen, welche Goebbels kommandierte, Radau als etwas Schönes erschien und weil Goebbels in geschickter Weise die Instinkte der Masse gegen die Snobs und die Pelzmantel-Dämchen vom Kurfürstendamm einzusetzen verstand. Es gelang mir schließlich, mich durch die Zehntausende durchzuboxen und ans Zentrum des Geschehens vorzustoßen, wo ich auch richtig Klein Olga fand, glühend vor Aufregung und glücklich im Tumult. Sie beachtete meine Vorwürfe gar nicht und erzählte mir gleich, wie aufregend es gewesen wäre und wie jemand weiße Mäuse losgelassen hätte, wie sie furchtbare Angst gehabt und kreischend auf ihren Stuhl gesprungen wäre. Noch während sie erzählte, fühlte ich, wie mich feindliche Blicke streiften, und bald darauf trafen schon die ersten Interpellanten ein, stürmisch fragend, ob es stimme, daß meine Braut oder Frau die weißen Mäuse losgelassen hätte, die dann zum vorzeitigen Abbruch der Film-Vorführung geführt hätten. Olga war zutiefst verblüfft und sagte gar nichts, doch sehr bald begann ihr die Sache zu schmeicheln und sie schwieg vielsagend. Tags darauf war sie bereits in den Berliner-Mittagsblättern sowohl zu meiner Frau wie zur ‚Herrin der weißen Mäuse‘ avanciert, und die Berliner Skandal-Chronik war um ein Kapitel reicher."69 3. Straßenkrieg mit der Berliner Polizei. Ziel: Diskriminierung der Polizei zwecks Aufwertung der S.A. als ‚Ordnungsmacht‘. Den kurzen Tagebuchnotizen vom 8. Dezember 1930 kann man entnehmen, daß zur Strategie Goebbels’ gehörte, das Filmverbot von der Straße aus zu erzwingen. 8. Dezember 1930 [Montag] Mit dem Versuch, das Filmtheater durch die Nationalsozialisten stürmen zu lassen, wollte Goebbels die Einsatzleitung der Polizei auf die Probe stellen und das Verhalten der Polizei studieren, um sich der Überläufer zu versichern und die systemtreuen Gegner brutal einzuschüchtern. Angesichts der großen Anteilnahme der Bevölkerung in Berlin und im Deutschen Reich an dem Filmkrieg ließ sich Goebbels bereits am 9. und 10. Dezember 1930 zu einer ausführlichen Reportage im Stile einer Kriegsberichterstattung über die vergangenen Tage hinreißen. Wie wichtig ihm die Redeauftritte auf der Straße waren, zeigen die Tagebucheintragungen vom 10. Dezember 1930. Zugleich stellte Goebbels alle Tatsachen auf den Kopf und behauptete, nicht er und die S.A. seien für Disziplinlosigkeit verantwortlich, sondern die Polizei.71 Nicht die Nationalsozialisten hätten den Kopf verloren, sondern die Berliner Schupos. Mit Hilfe der im Reichstag vertretenen und durch Immunität geschützten Parteifreunde reizte er die Polizei ständig aufs Neue, bis die sich gezwungen sah, einen von ihnen, den nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Fabricius72 , zu verhaften. "[...] Dann noch Fraktion. Ich brenne vor Wut, weil ich um [9]h am Wittenbergplatz sein muß. Endlich! Dort stauen sich die Massen. Unübersehbar und Kopf an Kopf. Es reden K.., ... und ich. Fabelhafte Begeisterung. Dann Marsch. Am Uhlandeck Parade. Abschließend mit furchtbaren Gummiknüppelattacken. Die Schupo rast wie wild. Aber an unserer ehernen Disziplin scheitern alle Provokationen. Wir geraten in furchtbare Attacken hinein. Unsere Leute sind weiß vor Wut. Das ist der Anfang der Revolution. Nur weiter so! Endlos ziehen die Züge. Wir mitten dazwischen und umrast von Jubel und Begeisterung. Das ist ein Fest. Den Kurfürstendamm herauf. Zum Knie. Unübersehbar! Ich rede zur Ruhe. Alles zerstreut. Wieder weg. N[eue] Züge. An die 40.000 Menschen sind auf den Beinen. Wieder zum Knie. Die Schupo ist übernervös und beginnt zu schießen. Nur mit Mühe und unter Zuhilfenahme von Sprechchören bekomme ich die Massen wieder zusammen. Ruhe, Disziplin! Es ist 1h nachts. Zurückfluten der Tausende. Kurzes Essen. Zur Polizeiwache, wo Fabricius sitzt. Er muß bis morgen warten. Adio! Nach Hause! Heute morgen Demonstrationsverbot. Der Film wird morgen fallen. Wenn ja, dann haben wir einen Sieg errungen, wie er grandioser garnicht gedacht werden kann. Die n.s.Straße diktiert der Regierung ihr Handeln. Das war eine Nervenprobe. Aber wir haben sie bestanden. Heute Kampfpause."73
Goebbels lieferte mit seinen ausführlichen Tagebuchnotizen im Stil einer Kriegsberichterstattung Schreib- und Stilmuster für seine Berliner Kampfzeitung "Der Angriff". Allein die Schlagzeilen der Zeitung verdeutlichen die Dramaturgie Goebbels’ für den Filmkrieg auf der Straße. Sie sind ein Beispiel für den Primitivstil einer Zeitung im Stile eines ‚Revolverblattes‘ und für die Vorstellung Goebbels’, mit Hilfe der S.A. die Macht für die N.S.D.A.P. von der Straße aus zu erringen:
Proteststurm im Mozartsaal. Gegen Remarque-Sudelei. Deutsche Frontsoldaten gegen perverse Juden. Im Westen etwas Neues. Einmütiger Entrüstungssturm über den jüdischen Sudelfilm "Im Westen nichts Neues". Berlin, 8. Dezember: Neuer Hetzfilm in Sicht! Frechheit der Filmjuden. Heraus zum Protest! "Schupogefechte" am Nollendorfplatz. Berlin protestiert weiter gegen den Schand-Film. Grzesinskis Polizei schützt profitgierige amerikanische Filmjuden. Berlin, 9. Dezember: Heraus zum Massenprotest! Heute abend: Wittenbergplatz. Kampf um Berlin. Frontkämpfer heraus! Heute Massenprotest. Die gestrige Kundgebung muß verdoppelt und verdreifacht werden. Protest aus dem Reich.
Berlin, 10. Dezember: Der Riesenaufmarsch des deutschbewußten Berlins im Westen. Die feldgraue Front marschiert. Schupo schlägt Kriegsbeschädigten blutig - Sturmlauf gegen den jüdischen Schandfilm. Mit Fäusten, Gummiknüppeln und Seitengewehr. Erbitterung über die Schupo. Wie ein Langemark-Kämpfer und Invalide "fertiggemacht" wurde. Reichsbanner-Schupos? Berlin ist erwacht, niemand hält es auf. Kolonnen im ehernen Gleichschritt. Protestmarsch der 50 000 auf dem Wittenbergplatz. Eiserne Disziplin gegen Gummiknüppel. Gemeine Provokationen von der S.A. zuschanden gemacht. Kampf um Berlin. Ein gefährlicher Plan. Judenpresse fordert Demonstrationsverbot. Will man die Massen führerlos machen? Eine gutgemeinte Warnung.
Ziel: Aufführungsverbot nicht nur für den amerikanischen Spielfilm "Im Westen nichts Neues". Goebbels ging es nicht allein um ein Aufführungsverbot des Remarque-Films. Mit Mißbehagen sah er im Jahre 1930 eine Reihe von Filmen mit pazifistischer Tendenz entstehen, die eine größere Breitenwirkung erzielten als die pro-nationalistischen Filme. Er nahm weniger Anstoß am Inhalt dieser Filme als vielmehr an deren pazifistischen Tendenz.74 Deswegen formulierte er eine "Appellation"75 , in der er von der Reichsregierung forderte, sie solle Maßnahmen im Sinne der nationalsozialistischen Filmpolitik treffen: "Seit Monaten ergießt sich über die deutschen Lichtspieltheater auf die Oeffentlichkeit eine Flut von ausländischen Filmerzeugnissen, die geeignet sind, das Ansehen Deutschlands oder seiner ehemaligen Kriegsverbündeten im übrigen Auslande herabzusetzen, und die ferner die Tendenz aufweisen, der Untergrabung des deutschen Wehrgedankens, des vaterländischen, ethischen Empfindens und der allgemeinen christlich-sittlichen Normen Vorschub zu leisten. Genannt seien hier nur und vor allem Bildstreifen wie ‚Zehn Tage, die die Welt erschütterten‘, ‚Zwei Welten‘, ‚Panzerkreuzer Potemkin‘, ‚Der blaue Expreß‘ und neuerdings vor allem der Film ‚Im Westen nichts Neues". Wir fragen die Reichsregierung, was sie zu tun gedenkt, um das fernere Auftauchen solcher Filme, die in der heutigen Zeit besonders zersetzend und auf die Volkskraft lähmend einzuwirken geeignet sind, unmöglich zu machen, bzw. die fernere öffentliche Zurschaustellung solcher Filme zu unterbinden." gez. Dr. Goebbels und Parteifreunde 5. Kampf um die Vorherrschaft der Nationalsozialisten. Ziel: Machtkampf mit der Reichsregierung, Absetzung des preußischen Innenministers Severing (SPD) und des Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski (SPD) wegen Unfähigkeit. Goebbels verschweigt in seinen Tagebüchern nicht, daß er mit dem Filmkrieg eigentlich die Absicht verfolgte, die Macht in Preußen an sich zu reißen, um der nationalsozialistischen Partei den Weg zur Machtergreifung zu erleichtern.76 Ein Weg dahin schienen ihm Beleidigungskampagnen gegen namhafte politische Persönlichkeiten. Ständige Zielscheibe war der jüdische stellvertretende Polizeipräsident Dr.Weiß, den der Berliner Gauleiter mit dem Erscheinen des "Angriffs" als Tageszeitung erneut zu beleidigen suchte. Der Berliner Polizeipräsident Grzesinski verbot daraufhin die Zeitung am 10. November 1930 für eine Woche. Er begründete das Verbot aber nicht wegen der Hetzkampagne gegen seinen Amtskollegen, sondern wegen eines Kommentars eines "Angriff"-Mitarbeiters, der den tätlichen Angriff eines Kommunisten gegen den Polizeipräsidenten billigte. Goebbels mußte durch das Zeitungsverbot einen Verlust von 15 000 Mark hinnehmen. Mit dem Filmkrieg nahm er dafür Revanche.77 9. Dezember 1930 [Dienstag] "Gestern: [...] A.. [unleserlich] heute abend 9h Demonstration. Wie ein Lauffeuer geht es durch die Stadt. [...] Dann 1/2 9h Abfahrt. Unter großer Bedeckung. Grau der Himmel. Los. Scheel78 fährt mit mir: Köhn79 und Rumpelstilzchen80 . Nollendorfplatz: abgesperrt. Menge rast durch die Schupokette. Parole: Wittenbergplatz. 20 - 30.000 stehen und harren. Imposant. Der Lautsprecherwagen dröhnt ‚die Fahne hoch!‘ Eine Schupokavallerieattacke wird in voll[ster] Ruhe abgewartet. Ich rede. Der Wittenbergplatz schwarz voll von Menschen. An die 20.000. Endlos kom..[unleserlich] die Züge nach aus allen Straßen. Und dann formiert sich der Protestzug. Ohne Ende. Immer mit dem Versuch, an den Kurfürstendamm zu kommen. Am Uhlandeck Vorbeimarsch. Über eine Stunde. In Sechserreihen. Phantastisch! Das hat der Berliner Westen noch nicht gesehen. Und eine Begeisterung! Weiter, weiter. Durch den Westen zum Fehrbellinerplatz. Dort rede ich ein letztes Mal zu den Tausenden. Morgen Abend Fortsetzung. Stürmische Zustimmung! Rasend durch Berlin W. nach Pankow. Dort Sturmabend. Sehr nett und die Jungens von einem erquickenden Humor. Um 2h Heimfahrt. Der Nollendorfplatz starrt noch von Schupo. Heute neue Massenproteste. Die Schupo plant umfangreiche Absperrungen. Wir werden sie durch kleine Taktik mürbe machen. Mal sehen, wer den längeren Atem hat? Es geht jetzt um das Prestige: Severing oder ich? Ich werde die Nerven behalten. Die Reichstagsabgeordneten sollen heute abend Hilfestellung leisten. Es wird hart herge[hen]. Gut so! Wir sind wieder einmal die eherne Spitze am bleiernen Keil. Die Öffentlichkeit ist diesmal auf meiner Seite. So kann's also losgehen!"81 Der Skandalpolitiker Goebbels ließ keine Gelegenheit aus, um sich als ‚Sittenwächter und Ordnungshüter der Nation‘ aufzuspielen. In Hetz- und Hohnreden suchte er auf dem Wittenberg-Platz die Regierung anzugreifen, indem er von ihr behauptete, ihre größte Leistung sei es, der Bevölkerung "Hunger" und "Steine" zu schenken, statt "Arbeit" und "Brot."82 Der Völkischen Beobachter gab Goebbels’ Rede wie folgt wieder: "Es sei eine Kulturschande, so erklärte er [Goebbels], die kein Deutscher und kein Frontsoldat ansehen könne und werde, daß ein Film, der den besten Soldaten aller Zeiten, den deutschen Frontsoldaten, herunterreiße, überhaupt aufgeführt werden könne. Aber man sei es ja gewöhnt, daß die deutsche Regierung dem Volke kein Brot, sondern günstigenfalls derartige Kulturschandmale schenke. Es sei eine Würdelosigkeit, an der die Nationalsozialisten niemals teilhaben würden, daß die Regierung diesen Film für gut halte, weil er in Paris keinen Anstoß erregt habe."83 "Der Angriff"84 veröffentlichte am gleichen Tage Versatzstücke aus den an den unterschiedlichsten Plätzen im Berliner Westen gehaltenen Kampfreden Goebbels’. Sie richteten sich: - gegen die Weimarer Presse und die Friedensparteien: "Die Judenpresse heißt den Film gut", sagte er, "weil in Paris auch niemand Anstoß daran genommen hat. Auch der Versailler Vertrag hat dort keinen Anstoß erregt." - gegen die Polizei: "Wir wehren uns jetzt nicht gegen die Niederknüppelung; einst aber kommt der Tag, da wir den Knüppel in der Hand haben werden." Goebbels zitierte Hitler im Hinblick auf eine Machtergreifung: "Wir werden einst Deutschland ausräuchern, wie wir neulich das Kino ausgeräuchert haben. Dann werden wir ganz legal die Köpfe rollen lassen, die für die heutige Schande verantwortlich sind." - an rechtsradikale Jugendliche: "Ihr Jungen tragt das Vermächtnis von 2 Millionen Toten in eurem Herzen. Laßt es nicht bespeien!" Daß Goebbels’ die Gelegenheit nutzte, um den Filmkrieg auch in den Reichstag hineinzutragen, läßt sich den Tagebuchaufzeichnungen entnehmen, denn wegen der Verhaftung von nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten protestierte Goebbels lauthals und löste tags darauf einen "Krawall" im Reichstag aus, der ihm ein Hausverbot eintrug. 11. Dezember 1930 [Donnerstag] "Im Reichstag erzwingen wir mit Terror und Drohung die sofortige Freilassung von Fabricius. Alles ist begeistert von unserem schneidigen Drangehen. [...] Heute fällt über den Remarque-Film die Entscheidung."85 12. Dezember 1930 [Freitag] "Gestern: im Reichstag großer Krawall. Ich werde an die Luft gesetzt. Unsere Leute sind wie wild. Um 4h kommt das Film-Verbot. ‚Wegen Gefährdung des deutschen Ansehens in der Welt.‘ Das ist ein Triumph. Es hagelt Glückwünsche von allen Seiten."86 13. Dezember 1930 [Samstag] "Der Film ist über Nacht zu einer Weltsensation geworden. Das Gespräch des Kontinents. Große Aufregung in der Weltpresse. Wir wieder mal im Brennpunkt des öffentlichen Interesses."87 14. Dezember 1930 [Sonntag] "Die Republik tobt vor Wut über unseren Filmsieg. Der hat auch gesessen. In Berlin große Protestkundgebung des Reichsbanners. Die haben's nötig. Aber es nützt nichts mehr. Wir sind in den Augen der Öffentlichkeit die starken Männer. [...] Mit Frick88 und Schultze-Naumburgs89 zu Mittag. Frick ist ehrlich begeistert von unseren Triumph." 90 17. Dezember 1930 [Mittwoch] "München. [...]. Mein Ansehen in München ist durch die Remarque-Sache mächtig gestiegen."91 Goebbels betonte in dem Zeitungsartikel "In die Knie gezwungen" nicht ohne eitle Anmaßung, er habe von vornherein die Absicht gehabt, das Ansehen der Regierung zu schädigen. Goebbels: "Daß der Kampf um den Film am Ende zu einer Prestigefrage zwischen der preußischen Regierung und der nationalsozialistischen Bewegung wurde, lag von vornherein in unserer Absicht. Die Severing und Grzesinski haben dabei offenbar ihre Macht überschätzt. Wir wußten, daß papierne Proteste gegen diese flagrante Verletzung deutscher Volkswürde von ihnen hohnlächelnd in den Papierkorb geworfen würden, und da blieb uns nichts anderes übrig, als sie mit denselben Waffen zu schlagen, die sie seit Jahrzehnten ihren politischen Gegnern gegenüber anzuwenden beliebten. Wir appellierten deshalb an die breiten Massen. Die Straße mußte mobilisiert werden. Wir nahmen für uns das Recht der freien Meinungsäußerung in dieser Demokratie in Anspruch, und über alles Erwarten wurde unser Appell vom nationalbewußten Berlin gehört. Es war am Ende ein Kampf um Grundsätzlichkeiten. Wir waren die Träger des sittlichen Staatsgedankens und zwangen damit die preußische Regierung in eine immer unmöglichere Rolle hinein. Sie mußte mit einem grotesken Machtaufwand ein Sudelwerk beschützen, das in wachsendem Maße von der breiten Oeffentlichkeit in seiner Widerwärtigkeit abgelehnt wurde. Die eingesetzten Mittel standen zum Schluß in gar keinem Verhältnis mehr zu der Sache, die beschützt wurde, und an dieser Differenz ist die preußische Regierung gescheitert. Wenn sie in diesem Kampf ein ungeheures Maß an Prestige verlor, so ist das ihre Sache. Sie hat das nationalbewußte Berlin in die Schranken gefordert, und wir sind ihr die Antwort nicht schuldig geblieben. Die jüdische Presse faselt heute, die Filmoberprüfstelle habe sich dem Diktat der Straße gebeugt; das ist richtig und wieder nicht richtig. Denn diesmal wurde die Straße beherrscht von einem sittlichen Staatsgedanken, der sich hierbei nur derselben Mittel bediente, deren sich der internationale Marxismus seit Jahrzehnten zu bedienen pflegt. Es war ein Kampf um die Macht zwischen marxistischer Asphaltdemokratie und deutschbewußter Staatssittlichkeit. Und zum ersten Male haben wir in Berlin die Tatsache zu verzeichnen, daß die Asphaltdemokratie in die Knie gezwungen wurde." Goebbels gelang es aber nicht, Innenminister Severing und Berlins Polizeipräsidenten Grzesinski zu stürzen. Ein Mißtrauensantrag "wegen der Haltung der preußischen Regierung gegenüber dem Remarque-Film"92 durch die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten wurde im preußischen Landtag am 19. Dezember 1930 abgelehnt. Wuchs bei einem Großteil der rechtskonservativen Bevölkerung (auch bei Teilen der Polizei und Wehrmacht)93 das "Ansehen" Goebbels’, so wuchs bei der linksliberalen Bevölkerung die Angst vor einer weltgeschichtlichen Katastrophe: Carl von Ossietzky in seinem Aufsatz "Remarque-Film" in der WELTBÜHNE (1930): "Der Fascismus hat seinen ersten großen Sieg nach dem 14. September errungen. Heute hat er einen Film erledigt, morgen wird's etwas andres sein."94 Vom Filmkrieg zum Bücherkrieg: Am 10. Mai 1933 wurden zur mitternächtlichen Stunde an Universitäten und Hochschulen in Berlin und im Deutschen Reich die bekanntesten Bücher der Weimarer Republik verbrannt und anschließend verboten. Beim Anhören des historischen Tondokuments zur Bücherverbrennung in Berlin fällt auf, daß die Rufer der Feuersprüche von den Umstehenden kaum Applaus erhielten. Einzig beim Ausruf des Feuerspruchs gegen Remarque: "Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges. Für Erziehung des Volkes im Geiste der Wehrhaftigkeit. Ich übergebe dem Feuer die Schriften des Erich Maria Remarque."95 kam in Erinnerung an den Filmsieg im Dezember 1930 Beifall auf. In die Nacht der brennenden Bücher erhob anschließend Goebbels mit den Worten des Siegers pathetisch die Stimme und verkündete die neuen nationalsozialistischen Erziehungsideale: "Jung schon den Mut zu haben, , Goebbels’ Kampf gegen Remarque fand mit dieser Bemerkung sein "symbolisches" Ende. Bereitete im Dezember 1930 der "Filmsieg" der "n.s.Straße" den Untergang der Weimarer Republik vor, so besiegelte der ‚Büchersieg‘ der "n.s.Straße" im Mai 1933 ihren endgültigen Untergang . Kempner, der die sich anbahnende Katastrophe bereits 1930 vorausgesehen hatte, erinnert in seinem Buch "Der verpaßte Nazi-Stopp" daran, daß nicht erst 1933, sondern bereits im Dezember 1930, als auch nach dem skandalösen "Filmsieg" Goebbels’ die sozialdemokratische Reichsregierung die Denkschrift über "die N.S.D.A.P. als staatsfeindliche, hochverräterische Verbindung" weiterhin ignorierte, "das Schicksal der Weimarer Republik besiegelt"97 war.
Textnachweis: Dörp, Peter: Goebbels' Kampf gegen Remarque (2). Eine Untersuchung über die Hintergründe des Hasses und der Agitation Goebbels' gegen den amerikanischen Spielfilm Im Westen nichts Neues nach dem gleichnamigen Bestsellerroman von Erich Maria Remarque. In: Erich Maria Remarque Jahrbuch-Yearbook. No. III. Osnabrück: 1993, S. 45-72. [für das Internet arrangierter interaktiver Metatext]
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Anmerkungen:
1 Formulierung nach der nationalsozialistischen Karikatur mit Text. In: Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. Nr. 115. Berlin: 10.12.1930.
2 Schrader, Bärbel: Der Fall Remarque. Im Westen nichts Neues. Eine Dokumentation. Leipzig: reclam 1433, 1992. S.12.
3 vgl. hierzu: Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Sämtliche Fragmente. Hrsg. von Elke Fröhlich im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte und in Verbindung mit dem Bundesarchiv. Teil I. Aufzeichnungen 1924-1941. Band 1. 27.6.1924-31.12.1930. München/New York/London/Paris 1987. [danach zitiert als Goebbels-TGB]: 5. Dezember 1930: "Bis 2h nachts noch parlavert. Bronnen, Olga (die sehr gerührt ist) Jung (der außerordentlich zufrieden scheint) eine ganze Reihe Abgeordneten, mein Rollkommando. [...] Abends ‚schauen' wir uns ‚Im Westen nichts Neues' an." S.641-642.
4 Unterzeile aus: Von Mäusen und Menschen. 1930: Nazirandale um Remarque-Verfilmung. In: Werner, Paul: Die Skandalchronik des deutschen Films. Band 1: Von 1900 bis 1945. Frankf./M.: Fischer Cinema 4471, 1990, S.177-188.
5 Spruch der Filmoberprüfstelle. Remarque-Film verboten. In: Deutsche Tageszeitung, 12. Dezember 1930, Morgenausgabe. Zitiert nach: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. S.260-261.
6 Spruch der Filmoberprüfstelle. Remarque-Film verboten. In: Deutsche Tageszeitung, 12. Dezember 1930, Morgenausgabe. Zitiert nach: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. S.260-261.
7 vgl. hierzu: Goebbels-TGB: 10. Dezember 1930: "Die n.s.Straße diktiert der Regierung ihr Handeln.", S.644.
8 vgl. hierzu: Goebbels-TGB: 14. Dezember 1930: "Die Republik tobt vor Wut über unseren Filmsieg. Der hat auch gesessen." S.645.
9 Reimann, Viktor: Dr. Joseph Goebbels. Wien/München/Zürich: Molden, 1971, S.143.
10 Vgl. hierzu: Dörp, Peter: Goebbels' Kampf gegen Remarque. Eine Untersuchung über die Hintergründe des Hasses und der Agitation Goebbels' gegen den Roman "Im Westen nichts Neues". In: Erich Maria Remarque Jahrbuch I/1991. Osnabrück, S.48-59.
11 Ossietzky, Carl von: Die Blutlinie, In: Die Weltbühne, Heft 43, 1930, S. 603-604. Zitiert nach: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. S.281.
12 Schlagzeile der Dortmunder Zeitung Tremonia: "Der Radikalismus hat gesiegt. Erhebliche Zunahme der Zentrumsstimmen. / Versagen der übrigen Regierungsparteien. / Große Verluste der Sozialdemokraten. / Nationalsozialisten und Kommunisten als Großgewinner." Zitiert nach: Dening, Hilke: Chronik 1930. Tag für Tag in Wort und Bild. Dortmund: Chronik, 1989. S.155.
13 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 14. Oktober 1930: "Imposantes Bild, diese Kompagnie Braunhemden! Schon gibt es Krach und beinahe Prügeleien.", a.a.O. S.617.
14 nach Berliner Illustrirte Zeitung. In: Dening, Hilke: Chronik 1930. Tag für Tag in Wort und Bild. Dortmund: Chronik, 1989. S.159.
15 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 10. Oktober 1930: "Wohin? Weg vom Staatsanwalt. Montag bin ich wieder da. Als immunes M.d.R.", a.a.O. S.616.
16 Goebbels-TGB: a.a.O. S.603.
17 Adolf Hitler: "Ich darf Ihnen versichern, wenn die nationalsozialistische Bewegung in ihrem Kampfe siegt, dann wird auch ein nationalsozialistischer Gerichtshof kommen, und der November 1918 wird seine Sühne finden, und es werden auch Köpfe rollen ..." Zitiert nach: Dening, Hilke: Chronik 1930. Tag für Tag in Wort und Bild. Dortmund: Chronik, 1989. S.160.
18 "Im Ulmer Reichswehrprozeß hatte Hitler zwar die Legalität der Partei beschworen, die Wirklichkeit sah jedoch anders aus. Er versuchte, nicht nur die Reichswehr, sondern auch das Offizierskorps der Schutzpolizei zu unterwandern." In: Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. Die NSDAP als staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung. Preußische Denkschrift von 1930. Frankf./M./Berlin: Ullstein Sachbuch 34159, 1983. S.11.
19 Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. Die NSDAP als staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung. Preußische Denkschrift von 1930. Frankf./M./Berlin: Ullstein Sachbuch 34159, 1983.
20 siehe Anmerkung 18.
21 Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. A.a.O. S. 123.
22 Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. A.a.O. S. 123.
23 Am 2. September 1929 gab Goebbels in seiner Berliner Wochenzeitung "Der Angriff" die Losung aus: "Pflanzt die Fahnen des Widerstandes und des Aufruhrs auf! Die Straße frei! ..." Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. A.a.O. S.68.
24 Goebbels wurde beschuldigt, "seit 1928 im Inlande durch ein und dieselbe fortgesetzte Handlung das hochverräterische Unternehmen, die Verfassung des deutschen Reichs und der Länder gewaltsam zu ändern, vorbereitet zu haben." Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. A.a.O. S.69.
Der Hochverratsprozeß fand nie statt, weil der Ankläger, Oberreichsanwalt Karl August Werner, den Prozeßbeginn ständig verzögerte. "Werner wurde später als Mitglied der N.S.D.A.P. erkannt." Vgl. Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. A.a.O. S.10.
25 Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. A.a.O. S.68.
26 Vgl. hierzu: Dörp, Peter: Goebbels' Kampf gegen Remarque. Eine Untersuchung über die Hintergründe des Hasses und der Agitation Goebbels' gegen den Roman "Im Westen nichts Neues". In: Erich Maria Remarque Jahrbuch I/1991. Osnabrück, S.48-59.
27 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 23. September 1929: "Tuen wir mit, dann bekomme ich vorläufig einmal die Macht in Preußen." S.607.
28 Das bestätigt auch der österreichische Schriftsteller Arnolt Bronnen, der mit Goebbels vom Oktober 1930 an enger vertraut war: "Wir saßen spät nachts noch beisammen und Goebbels gab seine politischen Ideale bekannt, die etwa so begannen. ‚Wenn ich Innenminister werde ... ' - denn dies war damals das Ziel seiner Wünsche [...]." Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978. S.245.
29 zitiert nach: Reuth, Ralph: Goebbels. Mit 33 Fotos. München/Zürich: Piper, 1990, S.176.
30 Goebbels-TGB: 23. Oktober 1930: "Severing preußischer Innenminister. Grzesinski Berliner Polizeipräsident, das Letzte noch nicht endgültig. Das wird ja ein sauberer Winter. Ernennungen bloß gegen uns. Aber die Schufte werden sich verrechnen, wenn sie glauben, uns durch Terror und Verfolgung klein zu kriegen." S.622.
31 Arnolt Bronnen (eigentl. Bronner), österreich. Dramatiker, Romancier, Drehbuchautor, 1928-1933 Dramaturg der Funkstunde Berlin, 1933/34 Programmleiter der Reichs-Rundfunk GmbH, 1936-40 Programmleiter des Fernsehsenders P. Nipkow in Berlin, Werke: Vatermord, 1920; Film und Leben der Barbara La Marr, 1928; Kampf im äther, 1935.
32 Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978.
33 zitiert nach: Schürer, Ernst: Georg Kaiser und Bertolt Brecht. über Leben und Werk. Frankf./M: Athenäum, 1971. S.28.
34 Mayer, Hans: In Sachen Arnolt Bronnen. Nachwort. In: Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978. S.242.
35 Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978.
36 gemeint sind: Ernst Jünger, Schriftsteller und Journalist, Mitarbeiter an verschiedenen nationalen Zeitungen, Werke: "In Stahlgewittern" (1920), "Auf den Marmorklippen" (1939) und Dr. Friedrich Georg Jünger, Schriftsteller Lyriker und Kulturphilosoph, ab 1937 Schreibverbot.
37 vgl. hierzu die umfangreiche Dokumentation: Funkstunde Berlin AG. Rund um den Rundfunk. Insbes.: Bronnen, Arnolt: Hörspiel. In: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. insbes. S.192.
38 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 19. September 1929: "Unterwegs Lektüre: O.S. von Arnolt Bronnen. Kampf um Oberschlesien. Ein hinreißendes nationalistisches Buch, geschrieben von einem, der noch vor kurzem auf der anderen Seite stand. Dieses Buch ist gekonnt: im Stil, im Aufbau, in der Idee, in der Tendenz. Ich habe es mit gierigen Augen verschlungen. Bravo! So muß es kommen. Der Geist der Jugend! Nicht nur Gesinnung, auch Können." S.427.
39 Am 21. Oktober 1930 fand unter Leitung Arnolt Bronnens Goebbels' erstes Funkgespräch mit Erwin Piscator über nationale oder internationale Kunst statt. Seitdem Goebbels ein Radio besaß, verfolgte er aufmerksam die Programmpolitik des Berliner Rundfunks. So hatte er das Streitgespräch zwischen dem konservativ-denkenden Alfred Mertes und dem Pazifisten Ernst Toller anfangs des Jahres 1930 mit größter Anteilnahme verfolgt. Die pazifistischen Ansichten Tollers hatten ihn dabei so in Rage versetzt, so daß er am liebsten "mit der Faust" dazwischengefahren wäre. Vgl. hierzu Goebbels-TGB: 3. Februar 1930: "Ich hätte aus meiner Stellung als bewußter Revolutionär und antibürgerlicher ... ohne Hemmungen Toller k.o. geboxt." S.494.
40 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 17. Oktober 1930: "Abends bei Bronnen. Die Literaten sind versammelt. Am besten gefällt mir Bronnen selbst. Er ist klar und nicht so eitel wie die anderen. Am schlimmsten ist das bei Jünger und Schauwecker. Fast unerträglich. Sie können sich nicht einfügen. Trotzdem muß man ihre spitzen Federn gebrauchen. Ich will mit ihnen für die Tageszeitung ein radikales Feuilleton machen ... Literaten. Radikal im Denken, aber schlapp im Handeln." S.619.
41 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 17. Oktober 1930, a.a.O. S.619.
42 vgl. hierzu die umfangreiche Dokumentation: Thomas Mann: Appell an die Vernunft. Bürger, Kunst und Republik. In: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. S.263-281.
43 vgl. hierzu Goebbels-TGB: 18. Oktober 1930, a.a.O. S.620.
44 Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978. S.231.
45 Förster, Olga: Schauspielerin an der n.s.-Bühne, Verlobte Bronnens, im Dezember 1930 dessen Ehefrau, Geliebte (?) Goebbels'.
46 Goebbels-TGB: 14. November 1930: "Gespräch mit Arnolt Bronnen. Ich treffe ihn mit Olly Förster, seiner kleinen Schauspielerin, ... er entwickelt einen phantastisch-grandiosen Plan eines politischen Spektakelstücks im Sportpalast, in dem das Publikum mitspielen soll und bei dem Volksgericht abgehalten werden wird über verräterische Volksminister." S.632-33.
47 Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978. S.237. Bronnen nahm an, daß sich Goebbels allein vom "Thomas-Mann-Skandal" habe anregen lassen. Das stimmt nur zum Teil. Goebbels hatte bereits 1926 (wie Bronnen anderswo) einen Theaterskandal provoziert. Das betroffene Theaterstück: "Der fröhliche Weinberg" von Carl Zuckmayer. Goebbels-TGB: 8.September 1926: "Heute abend geht's in das Kulturstück "Fröhlicher Weinberg". Mit den edelsten Absichten. Worauf ich mich freue."
10.September 1926: "Stinkbomben wurden geworfen. Eine Panik entstand. Ich selbst wurde wegen Hausfriedensbruch an die Luft gesetzt. Aber so recht hat's nicht geklappt. Es fielen nur 5 Frauen in Ohnmacht. Das Stück war einfach saumäßig. So etwas krönt man in Deutschland mit dem Kleistpreis." S.207.
48 Mutschmann, Martin: NSDAP- Mtgl., GL Sachsen, 1930 MdR.
49 Goebbels-TGB: a.a.O. S.641-642.
50 Frank, Hans Dr.: Ltr. d. Rechtsabt. d. RL d. NSDAP, 1930 MdR.
51 Goebbels-TGB: a.a.O. S.642-643.
52 vgl. Goebbels-TGB: 8. März 1930.
53 Goebbels-TGB: 16. März 1930.
54 Noch am 29. November fühlte sich Goebbels der S.A. nicht sicher: Goebbels-TGB: 29. November 1930. "Die S.A.Frage scheint doch ernster zu sein als ich dachte ... Sonst wird in der eigenen Partei gegen mich gehetzt. Man gönnt mir die Erfolge nicht ... Ich werde ruhig sein, nicht die Nerven verlieren und arbeiten." S.638.
55 Goebbels-TGB: a.a.O. S.628.
56 Goebbels-TGB: 5. November 1930: "Schwere Schläge gegen Isidor Weiß. Vielleicht bringen wir ihn diesmal zum Sturz. Grzesinski ist gestern Polizeipräsident geworden. Na, viel Vergnügen!" S.628.
57 "Auch eine deutschnationale Kleine Anfrage, die im Preußischen Landtag eingegangen ist, wollte schon im voraus angebliches Unheil verhüten; erklärt sie doch unumwunden, in dem Film werde ‚unsere deutsche Jugend verhöhnt und als unmännlich dargestellt. Die Tendenz laufe auf eine Verächtlichmachung der opferbereiten Vaterlandsliebe hinaus'. Die Filmprüfstelle hat zum Glück den Film doch freigegeben." Aus: Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, 6. Dezember 1930. Zitiert nach: Schrader, Bärbel: Der Fall Remarque. Im Westen nichts Neues. Eine Dokumentation. Leipzig: reclam 1433, 1992. S.109.
58 Den Vorsitz hatte Ministerialrat Dr. Seeger (Reichsinnenministerium). Beisitzer waren Chefredakteur Baecker (Deutsche Tageszeitung), Professor Hinderer (Evangelischer Presseverband), Reinhardt (Oberreallehrerin, Schwester des Generals Reinhardt, Vertreterin linksstehender Frauenverbände), Schubert (Vertreter des Lichtspielgewerbes). "Dreiviertel" der Filmkammer bestand aus "rechtsstehenden Persönlichkeiten." ("Berliner Morgenpost"). In: Schrader, Bärbel: Der Fall Remarque. Im Westen nichts Neues. Eine Dokumentation. Leipzig: reclam 1433, 1992. S.166.
59 Goebbels-TGB: a.a.O. S.640. Ging es um Ereignisse, die Goebbels besonders am Herzen lagen, benutzte er in seinem Tagebuch mit Vorliebe die Formulierung: "Ich freue mich darauf". (siehe: Anmerk. 47) Sie kann als eine entlarvende Standardformulierung - in mitunter leicht variierter Form - verstanden werden. Sie kündigt in der Regel eine kurz bevorstehende Aktion an, die er mitunter generalstabsmäßig ausgearbeitet hatte. Seine Parteigenossen täuschte er, indem er ihnen den Eindruck "spontanen", improvisierten Handelns vermittelte. So fiel sein "Angriff"-Mitarbeiter und Biograph Willi Krause auf ihn herein, der mitteilt, daß die erste Geheimsitzung zur Vorbereitung des Filmskandals am Tage nach der Premiere stattfand. Krause bestaunte dabei Goebbels' Talent, für die Abendveranstaltung im Handumdrehen Eintrittskarten in größerer Stückzahl, d.h. allein durch ein Telefonat, besorgen zu können. Richtig ist, daß Goebbels auf Grund einer intensiven Vorarbeit, sich telefonisch bestätigen ließ, daß die Karten bereitlägen. Es gehörte zu seinem Imponiergehabe, seine Mitarbeiter ständig neu zu überraschen.
60 Es fehlten: "die (befreiende) Verprügelung des soldatenschindenden Unteroffiziers", "die scharfe Kontrastierung zwischen Front und Heimat, wenn der Urlauber zur vorschriftsmäßigen Ehrenbezeugung angehalten wird", "der Stammtisch der Heimkrieger und die klägliche Rolle des Hurra-Professors als Rekrut." Wollenberg, Ernst: "Im Westen nichts Neues" nach Erich Maria Remarque. Universum-Film - Deutsche Universal - Mozartsaal. In: Licht. Bild. Bühne. Illustrierte Tageszeitung des Films (Berlin), 5.Dezember 1930. Zitiert nach: Schrader, Bärbel: Der Fall Remarque. Im Westen nichts Neues. Eine Dokumentation. Leipzig: reclam 1433, 1992. S.114-115.
61 Vgl. hierzu: Dörp, Peter: Goebbels' Kampf gegen Remarque. Eine Untersuchung über die Hintergründe des Hasses und der Agitation Goebbels' gegen den Roman "Im Westen nichts Neues". In: Erich Maria Remarque Jahrbuch I/1991. Osnabrück, insbes. S.50.
62 B.T.: Berliner Tageblatt.
63 Goebbels-TGB: a.a.O. S.642.
64 Ausdrückliche Hinweise in: Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 6. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 112: "Den jüdischen Sensationsberichten gegenüber sei betont, daß Dr.Goebbels nicht im mindesten daran gedacht hat, diesen Entrüstungssturm zu organisieren. - Zufällig befanden sich auch einige Reichstagsabgeordnete der N.S.D.A.P. im Parkett. Auch diese Herren sind ohne Verabredung im Kino - lediglich informationshalber - erschienen." Desgleichen in der nationalsozialistischen Zeitung Der Völkische Beobachter. Reichsausgabe (München), 7./8. 10. 1930: "Es kam zu dem Kuriosum, daß Dr. Goebbels, den man unverschämter Weise wie einen Rädelsführer behandelte, von zwei Schupos auf seinem Platz bewacht wurde." Die "Neue Preußische Kreuz-Zeitung" schrieb am 7. Dezember 1930, in der 1. Sonntagsausgabe: "Es ist natürlich sehr leicht, wie es die demokratische Presse tut, zu behaupten, diese Kundgebungen gegen den Film seien organisiert und von nationalsozialistischer Seite in die Wege geleitet worden." Zitiert nach: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. S.257.
65 Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 6. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 111.
66 Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 6. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 111.
67 Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 6. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 111.
68 Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 6. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 111.
69 Bronnen, Arnolt: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beitr. zur Geschichte d. modernen Schriftstellers. Nach d. Erstausg. von 1954. Kronberg/Ts: Athenäum, 1978. S. 237.
70 Goebbels-TGB: a.a.O. S.643.
71 Goebbels bedrohte im "Angriff" alle Gegner der N.S.D.A.P. Dazu gehörten vorrangig Polizeioffiziere der Einsatzleitung und befehlsausführende Polizisten. Ein Beispiel: "An allen Ecken wird geprügelt. Besonders tut sich der Schupowaceister Rau (wohnhaft: Arndtstr. 14, 3 Treppen) durch rohes Vorgehen hervor." Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 8. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 113.
72 Fabricius, Hans Dr., ehemal. RegRat b. Landesfinanzamt Brandenburg, 1929 weg. NS-Betätigung v. Amt susp., 1930 Mitarb. in d. Prop.Abt. d. Gaues Groß-Berlin, MdR.
73 Goebbels-TGB: a.a.O. S.644.
74 Goebbels-TGB: 5. Mai 1930: "Abends Ufapalast ‚Die Somme'. Voll Erschütterung sieht man dieses heroische Leben, Kämpfen und Sterben. Und sagt sich: das kann und darf nur sein, wenn es in der Tat um das Letzte geht und der Sieg einem Volk auf hundert Jahre mindestens das Dasein sichert. Leider ist der Film ohne Tendenz und deshalb erzieherisch nicht besonders wertvoll. Am Schluß kommt gar ein kleiner Schuß Pazifismus zum Vorschein. Aufnahmemäßig ist er erstklassig. Danach nur noch eine schwere, düstere Stimmung." S.542. Goebbels-TGB: 26. Mai 1930: "Abends Film ‚Westfront 1918'. Glänzende Tonaufnahmen. Umso gefährlicher, als der Film eine ausgesprochen pazifistische Tendenz hat. Es ist schamlos, was einem da geboten wird. Und alle Juden klatschten." S.552.
75 Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 9. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 114.
76 Goebbels: "Der Schlüssel zur Macht über Deutschland liegt in Preußen. Wer Preußen hat, der hat das Reich." In: "Der Angriff". 5. Oktober 1930. Zitiert nach: Reuth, Ralph: Goebbels. Mit 33 Fotos. München/Zürich: Piper, 1990, S.177.
77 vgl. hierzu: Reuth, Ralph: Goebbels. Mit 33 Fotos. München/Zürich: Piper, 1990, S.182-183.
78 Scheel, Gustav Adolf Dr.: Mtgl. v. SA u. NS-Studentenbund.
79 Köhn, Carl Martin, Mitarb. beim "Angriff".
80 eigentl. Adolf Stein: nationalsozialistischer Publizist.
81 Goebbels-TGB: a.a.O. S.643-644.
82 vgl. Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 9. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 114.
83 Völkischer Beobachter Reichsausgabe (München), 10. Dezember, 1930.
84 Kampf um Berlin. Frontkämpfer heraus! Heute Massenprotest. Die gestrige Kundgebung muß verdoppelt und verdreifacht werden. In: Der Angriff. Das deutsche Abendblatt in Berlin. Hrsg. von Dr. Goebbels. 9. 12. 1930, 4. Jg., Nr. 114.
85 Goebbels-TGB: a.a.O. S.645.
86 Goebbels-TGB: a.a.O. S.645.
87 Goebbels-TGB: a.a.O. S.645.
88 Frick, Wilhelm: 1923 Beteilig. am Hitler-Putsch, 1930 Innenminister in Thüringen. Als Bildungsminister erließ er in Thüringen gegen den Widerstand der Opposition ein Verbot des Bestsellers "Im Westen nichts Neues" von Erich Remarque und ein Aufführungsverbot des gleichnamigen amerikanischen Spielfilms.
89 Schultze-Naumburg, Paul (u. Frau): Maler u. Architekt, 1930 Direktor der Weimarer Kunsthochschule, NSDAP.
90 Goebbels-TGB: a.a.O. S.645-646.
91 Goebbels-TGB: a.a.O. S.647.
92 "Niederlage der Reaktion im preußischen Landtag. Das Mißtrauensvotum wegen des Remarque-Films abgelehnt." In: Schrader, Bärbel: Der Fall Remarque. Im Westen nichts Neues. Eine Dokumentation. Leipzig: reclam 1433, 1992. S.182.
93 Goebbels-TGB: 18.Dezember 1930: "Zu Bronnens Hochzeit. [...] sitze [...] mit ein paar Reichswehroffizieren zusammen. Brave Jungens, ganz unsere Sorte. Ich bin mit ihnen gleich d'accord. Einer trägt mich vor Begeisterung durch den Saal. Das war ein Gaudium. Die R.W. [Reichswehr] ist gut, wir müssen die Front auch gut behandeln. Seit der Remarque-Affäre haben wir bei ihr ein Stein im Brett." S.548.
94 Ossietzky, Carl von: Remarque-Film. Zitiert nach: Kunstmetropole Berlin. 1918-1933. Dokumente und Selbstzeugnisse. Hrsg. von Bärbel Schrader/Jürgen Schebera. Berlin/Weimar: Aufbau, 1987. S.262.
95 Feuersprüche. Zitiert nach: Sauder, Gerhard (Hrsg.): Die Bücherverbrennung. München/Wien: Hanser, 1983. S.78.
96 Rede Goebbels' bei der Verbrennung undeutschen Schrifttums am 10. Mai 1933. Zitiert nach: Sauder, Gerhard (Hrsg.): Die Bücherverbrennung. München/Wien: Hanser, 1983. S.255.
97 Kempner, Robert M.W. (Hrsg.): Der verpaßte Nazi-Stopp. Die NSDAP als staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung. Preußische Denkschrift von 1930. Frankf./M./Berlin: Ullstein Sachbuch 34159, 1983. S.10.
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