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Presseartikel zum Filmskandal

Im "Angriff" nichts Neues

Krieg zwischen Pappe und Kleister

Remarque im Film

Proteststurm im Mozartsaal

Im Westen nichts Neues

Berichterstatter

Guerilla am Nollendorfplatz

Kampf um Remarque-Film

Kampf um Berlin

Gutachten zum Remarque-Film

Warum der Remarque-Film verschwinden mußte

Die Dreckschleuder gegen die Wahrheit

Vossische Zeitung, Berlin, Nr. 109, 8. Mai 1931.


Im "Angriff" nichts Neues

Remarque im Dritten Reich

Als Dr. Joseph Goebbels, von der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" alarmiert, seine braunen Männer und seine weißen Mäuse in den Mozart-Saal führte, galt es, den Kriegsfilm nach Remarques Roman "Im Westen nichts Neues" niederzupöbeln. Kein Mensch im In- und Ausland hatte vorher bemerkt, was jetzt zur Parole für Straßenkämpfe wurde: die deutschfeindliche Tendenz des Films.

Sie verbarg sich, so wurden wir belehrt, vor allem in der Szene, da die jungen Rekruten zum ersten Male ins Granatfeuer kommen. Also in Bildern, die den Seiten 60 bis 65 des Romans [Anmerk.: Seitenangaben entsprechen der Originalausgabe von 1929] "Im Westen nichts Neues" entsprechen. Der Kriegsneuling spürt Tränen im Auge, er wird von dem erfahrenen Kameraden Kat geneckt, weil er beim Krachen der Granaten zusammengefahren sei, ein anderer "verängstigter Rekrut" läßt den Helm fallen und preßt den Kopf in die Hände. Alle Vollbärte, deren Träger dem Granatfeuer so weit ferngeblieben waren, wie die Pg. Frick und Goebbels, rauschen vor Empörung.

Gestern abend müssen sie aufs neue in Wallung geraten sein. Denn in Goebbels' "Angriff" fanden sie ein Feuilleton "Nacht an der Front" von F. Scheinpflug. In dieser Frontnacht spürt der Rekrut Tränen im Auge, er wird geneckt, weil er zusammengefahren sei, sein Nebenmann läßt den Helm fallen und preßt verängstigt den Kopf in die Hände.

Was für ein Plagiator, dieser Mitarbeiter Scheinpflug! Aber nein, der erstaunte Leser greift nach Remarques Roman, schlägt Seite 60 bis 65, die Seiten des Anstoßes auf, und findet, daß Scheinpflugs angeblicher Beitrag nichts weiter ist als ein wörtlicher Abdruck dieses Abschnitts aus "Im Westen nichts Neues". Nur Kat ist in Karl umgetauft worden, und es darf auch nicht mehr heißen: "Schlamassel, sagt Kat". Dafür pfeift Karl durch die Zähne. - Also ist das "deutsche Abendblatt in Berlin" einem Spaßvogel aufgesessen.

Welch Vorteil für alle! Remarques Kunst findet neue Bewunderer, die Leser des "Angriffs" entdecken eine Oase in der Schimpfwüste, und die von der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" alarmierten Hetzer gegen den Kriegsfilm werden aufs neue blamiert.

Geht es aufwärts mit der nationalsozialistischen Presse? Kürzlich hat der "Völkische Beobachter" ein Gedicht Heinrich Heines abgedruckt und kerndeutsch befunden. Jetzt wird Remarque zum unfreiwilligen Mitarbeiter des "Angriffs". Da bei den Vorkämpfern des Deutschen Reichs offenbar eine lückenlose Ignoranz herrscht, so werden die Spaßvögel noch manchen hübschen Beitrag in ihre Zeitungen einschmuggeln.

"Schlamassel", sagt Kat.

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