Grundlagentexte <----- hier Mouse-Over



GRUNDLAGENTEXT FÜR DIE WISSENSCHAFTLICHE ANALYSE

Neue Technik für das "Anhalten auf einem Bild"

von

Peter Dörp

"Das Anhalten auf dem Bild bringt den Film in die Nähe des Buches, ist ein Durchblättern. Indem jedoch diese Geste gegen das 'natürliche' Vorbeiziehen der Bilder ankämpft, bedeutet sie mehr als nur das: Ein Spiel, eine Umwandlung, ein Abschweifen ..., eine abgeleitete Neuschaffung." (Raymond Bellour)

Man muss sich im klaren darüber sein, dass man bei dem Verfahren, den Film auf ein Bild hin anzuhalten, nicht die Textur des Films festhält, sondern nur ein 'Webmuster' des Films, nämlich das Visuelle des komplexen 'Bild-Ton-Teppichs'.

Wie man weiß, ist die Grundlage des Films das 'bewegte Bild' - auf einer CD-ROM werden dafür 15 Bilder pro Sekunde benötigt. Folgt man der Methode des "Anhaltens auf einem Bild", besteht die Möglichkeit eines "Durchblättern", wie man es vom Daumenkino her kennt. "Durchblättern" heißt aber noch nicht "lesen" und ist dem Lesen in einem Buch nicht vergleichbar. Erst im "angehaltenen Bild" kann das Auge auf dem ausruhen, was dem focussierenden "Lesen" analog ist. Aber es ruht nur auf dem Visuellen aus.

Bei einem narrativen Film handelt es sich aber um einen audio-visuellen Text mit 3 kunstvoll verwobenen Sprachebenen. In einem Film lesen, heißt eigentlich: alle Möglichkeiten der Akzentverschiebungen im visuellen, auditiv-nonverbalen und auditiv-verbalen Bereich erkennen, nachvollziehen und verstehen zu können. Hierfür fehlt es noch an Techniken (die Internet-Browser ab 4x stellen sie aber nach und nach zur Verfügung).

1. Annäherung: 'fokussierendes' Lesen im PHASENBILD.
Das methodische Verfahren des "Anhaltens auf einem Bild" ist ein erster Schritt, um in einem Film 'lesen' zu lernen. Es ist durchaus sinnvoll, das Einzelbild (PHASENBILD) als Hilfsmittel zur Alphabetisierung des Betrachters in der visuellen Zeichenebene des Films heranzuziehen. Denn am "angehaltenen Bild" kann man die 'Grammatik' der Bild-Sprache kennenlernen und Vorverständnis für 'das bewegte Bild' entwickeln. Hierzu gehören: Kamerablick, Standort, Ausschnitt, Rahmen, Format, Perspektive, Bildschärfe, Komposition, Innere Montage, Denotation, Konnotation, narrativer Raum, Objektverteilung, Natur, Architektur, Licht, Farbe/Schwarz/Weiß, (eingefrorene) Bewegungsarten wie die von der Kamera, von gefilmten Objekten, vom Hintergrund ...

Die Methode des 'Hineinfühlens, -tastens und -horchens' in einem "angehaltenen Bild" soll beim Erlernen 'focussierten' Lesens in einem Phasenbild hilfreich, Voraussetzung und Vorschule für ein 'kontextuelles' Lesen in einer Bilderfolge sein.

2. Annäherung: 'kontextuelles' Lesen in einer BILDERFOLGE.
Das 'Lesen' narrativer Strukturen beginnt u.a. mit: äußerer Montage, einfachen Bildfolgen, komplexen Bildsequenzen ....

Diese Form der Annäherung an die Sprache des Films ist nicht unbekannt. Da aber das Bildmaterial aus dem Film aufwendig erstellt (abfotografiert) werden muss, beschränken sich traditionelle Filmanalytiker auf die Wiedergabe einzelner signifikanter Phasenfotos, um an ihnen unterschiedliche Lesarten zu demonstrieren. Mit der neuen Computertechnik scheint eine kopernikanische Wende in der Filmlesetechnik möglich geworden zu sein.

Der Computer als neues elektronisches Hilfsmittel mit Filmlesetechnik.

Half der Videorecorder als erster Problemlöser beim Erlernen 'kontextuellen' Erlesens eines audio-visuellen Textes, den man, leider oft umständlich aufsuchen und mehrmals abspielen kann, so hilft jetzt der Computer, sich gegen die 'Verflüchtigung des Textes' erfolgreich stemmen zu können. Mit der Speichermöglichkeit von Filmsequenzen auf CD-ROM und neuerdings auf DVD scheint die Zeit gekommen zu sein, die Zitierbarkeit eines filmischen Textes realisieren zu können.

Mit Hilfe der Computertechnik ist es jetzt schon möglich, jede beliebige Sequenz aus einem Spielfilm elektronisch zu erfassen. Benötigt wird hierzu eine Videokarte (- wenn der Computer eine FIREWIRE-Schnittstelle für den digitalen CamCorder enthält, ist sie überflüssig), mit der man Videosignale digitalisieren und als AVI-, MOV- oder MPEG-Dateien abspeichern kann (z.B. mit einer Video-Capturekarte). Neuere (leider etwas teure) Grafikkarten verfügen bereits über Video-Eingänge und Video-Ausgänge. In einem speziellen Grafikprogramm (z.B. in PICTURE PUBLISHER) oder in einem Video-Schnitt-Programm (z.B. Adobe Premiere) oder Multimedia-Viewer (z.B. Apple Quicktime, Media-Tools) kann die abgespeicherte AVI-, MOV- oder MPEG-Datei geöffnet und als Film in einem Mediaplayer beliebig angesehen werden.

Hier ein Beispiel aus dem Spielfilm: "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Volker Schlöndorff/von Trotta nach der gleichnamigen Erzählung von Heinrich Böll. Mit Hilfe eines Schiebreglers oder mit einem Mausklick auf dem Bild kann man den Film anlaufen lassen. Mit einem weiteren Mausklick auf dem Bild stoppt man den Film. Mit dem Schieberegler kann man aus dem Filmausschnitt gezielt Phasenbilder auszusuchen. Die neuen Media-Tools erlauben darüber hinaus ein Abspeichern bzw. Exportieren des ausgewählten Phasenbildes.

Der Internet-Browser als Analysewerkzeug.
Filmsequenzen im Internet in Realzeit anzeigen zu wollen, ist auch noch im Jahr 2001 ein ruckelndes Abenteuer. Die Qualität der Filmübertragung entspricht etwa dem Jahr 1930, als sich der Tonfilm allmählich durchzusetzen begann. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, es hängt von der Weiterentwicklung der dafür zuständigen Streamertechnik und Browsertechnik ab, wann in audio-visuellen Texten wie in einem Buch gelesen und multimedial angemessen analysiert werden kann.

Schauen Sie sich jetzt Beispiele an, in denen demonstriert wird, wie man mit Hilfe der für das Internet entwickelten Javascript- und Dynamic-HTML Sprachen den Internet-Browser als ein hervorragendes Analysewerkzeug zur Filmanalyse benutzen kann.


(a) SELBSTABLAUFENDE BILDERFOLGEN (INTERAKTION nicht möglich):


(2) Animiertes Phasenbild 
    Ein animiertes Bild wird mit Hilfe eines Programms, 
    z.B. GIF-Animator, hergestellt, in dem Einzelbilder 
    zu einer Bildfolge oder zu einem Film in einem 
    bewegten *.GIF abgespeichert werden.

(3) Die Überblendtechnik von Bild zu Bild (b) PHASENBILDER (INTERAKTION möglich): (4) Phasenbilder, die man mit einer Mouse-Over-Technik beeinflussen kann, sodass sie entweder nach rechts oder nach links gleiten. Die Geschwindigkeit des Gleitens kann man mit der Maus bestimmen.
(5) Ein neues Phasenbild lässt sich mit einem Knopfdruck aufrufen. Vorwärts- und Rückwärtsblättern ist möglich.
(6) Ein Phasenbild lässt sich mit einer Lupe absuchen und punktuell vergrößern. Detailbeobachtungen sind möglich.
(7) Einzelne Phasen-Bilder lassen sich mit der Maus per "drag and drop" verschieben und damit neu montieren.
Stand: 4.4.2001