Einstellung.

Die Einstellung ist als kleinste Einheit des Films die ohne Unterbrechung gefilmte Aufnahme.

"Jede visuelle Einstellung ist eine seelische Einstellung."

EINSTELLUNGSGRÖSSEN als "Wahrnehmungseinheiten".

Knilli (ein Filmtheoretiker der 70-ger Jahre) identifiziert jede Einstellungsgröße mit einer "Wahrnehmungseinheit".

Knilli:

"Das wichtigste Element der Einstellung als Wahrnehmungseinheit ist ihre Größe. Denn was mit dem Ausschnitt erfaßt wird, ist sowohl Inhalt der visuellen Aussage als auch Gegenstand des Wahrnehmungsbegriffes. Dabei liefert die Einstellungsgröße die Grenzwerte jeder Wahrnehmung."

Eine Totale z.B. wirkt 'distanzierend', eine Großaufnahme 'intensivierend' (vgl. Schema der Einstellungsgrößen).

Jede veränderte Lage der filmischen Optik verändert auch die Wahrnehmung des Zuschauers und ist ein deutliches Indiz für die Beeinflussung (Manipulation) durch den Filmemacher.

Nach der Größe des Bildausschnitts wird die Größe der Einstellungen bezeichnet als:

1. Totale (plan d'ensemble; Long Shot).
Die Totale gibt einen Überblick über den Ort der Handlung.
2. Halbtotale (demi-en-semble; Semi Long Shot oder Medium Long Shot).

Die Halbtotale kann sich schon mehr auf die Handlungsträger konzentrieren, ohne doch den Raum, in dem diese sich aufhalten, außer acht zu lassen.

3. Halbnah (plan moyen; Mid Shot).

Die halbnahe Einstellung erfaßt in der Höhe ungefähr die ganze menschliche Figur.

4. Amerikanische Einstellung (plan américain; Medium Close Shot).

Die Amerikanische Einstellung zeigt die menschliche Figur ungefähr vom Kopf bis zu den Hüften bzw. Knien. »Man wußte..., daß die amerikanische Einstellung die wirksamste und die für die Montage praktischste war« (Bardèche/Brasillach).

5. Nah (premier plan; Close Shot).

Die Nah-Einstellung umfaßt beim Menschen Kopf und Schultern.

6. Großaufnahme (gros-plan; Close Up oder Big Shot).

Die Großaufnahme zeigt den Kopf der menschlichen Figur. Sie kann expressive Wirkung haben. Die Großaufnahme muß nicht unbedingt der Fortführung der Handlung dienen. Sie kann auch poetisches Einsprengsel sein. Einer Großaufnahme von Rossellini hat Bazin nachgerühmt, daß es ihr gelang, »das Geheimnis dieses Gesichts zu bewahren«. »Die Großaufnahme konfrontiert«, schreibt Baláz, »Und es ist bekanntlich schwerer, ins Angesicht zu lügen.«

7. Detailaufnahme.

Hierzu zählen nicht nur Körperteil-Aufnahmen. Bei Hitchcock sind Aufnahmen einer Brille oder eines Schlüsselbundes spannungsfördernde Indizien.


- In den USA wird die Einstellung auch nach der Anzahl der auftretenden Personen bezeichnet: Three Shot (Dreier-Einstellung), Two Shot (Zweier-Einstellung). - Die Regisseure des sowjetischen Revolutionsfilms haben die einzelne Einstellung lediglich als »Rohmaterial für die spätere, durch die Montage geschaffene Komposition« (Pudowkin) angesehen. - Für Bazin ist jede Einstellung »Kristallisation« einer Realität. Der einzelne >Ausschnitt< wäre mehr als nur >RohmateriaL, er ließe die umgebende Realität mitempfinden. Bazin wendet sich gegen die Theorie von der Determination der Einstellung durch die Montagereihe.

Demgegenüber Bresson selbst: »Der Film muß sich nicht durch Bilder ausdrücken, sondern durch Bezüge von Bildern...«

Von HALBNAH bis DETAIL -->


Dörp, Peter: FILMANALYSE Online. Selbstlernen interaktiv. Der Modellfilm: Die verlorene Ehre der Katharina Blum nach der Erzählung von Heinrich Böll. Verfilmte Literatur - wissenschaftlich analysiert. Brauweiler: 1999.

Kurowski, Ulrich: LEXIKON FILM. Hundert x Geschichte. Technik. Theorie. Namen. Daten. Fakten. Reihe Hanser 101, München: 1972. S.27-28.