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Kameraperspektive
Die Perspektive der Kamera, mit der diese die Figuren bzw. die Objekte der Darstellung erblickt, bestimmt sich zunächst durch ihre Positionierung innerhalb des Handlungsraumes Dem Zu schauer innerhalb des gesamten Filmgeschehens kommt in der Regel kein durchgängig fixierter Standpunkt zu, er kann tendenziell überall sein, er kann vieles sehen, auch mehr als die handeln den Figuren, da er sie in wechselnden Ansichten erblickt Die Kamera positioniert ihn in wechselnde Sichtweisen auf das Geschehen Diese Perspektiven können auf der horizontalen Ebene unterschiedliche Positionen einnehmen, aber auch in der vertikalen Ebene, also in Positionen, die sich unterhalb oder oberhalb der Geschehensebene und damit der >Normalsicht< befinden. Als Normalsicht gilt die Augenhöhe der handelnden Figuren (>eye level angle<) Das Bild zeigt weder Unter- noch Aufsichten auf die Figuren, auch in den senkrechten Linien des Umfeldes gibt es keine perspektivischen Verkürzungen Die Aufsicht (Obersicht, Vogelperspektive) gibt einen Blick von einem erhöhten Standpunkt auf das Geschehen, der Zuschauer wird damit erhöht, das Geschehen wirkt dadurch oft >überschaubar< Solche Perspektiven können je nach Kontext der Geschichte auch bedrohliche Blicke nach unten (Klippen, Berge, Hochhäuser) darstellen. Alle Stufungen von der Normalsicht bis zur Aufsicht (>high angle<) sind möglich, oft werden Perspektiven gewählt, die sich nur wenig über der Normalsicht befinden, um auf diese Weise die gezeigten Figuren im Verhältnis zur Umgebung zu gewichten (sie z.B. als den anderen unterlegen erscheinen zu lassen). Entsprechendes gilt für die Untersicht (Froschperspektive), die das Gezeigte von unten her aufnimmt und es dadurch gegenüber dem Zuschauer erhöht bzw. größer wirken läßt. Ober- und Untersichten werden im Spielfilm häufig durch die Handlung motiviert, sie geben der Handlung eine besondere Spannung, werden häufig auch musikalisch überhöht. Der Zuschauer hat durch sie oft auch den Eindruck, durch den Raum bewegt zu werden. In Hitchcocks Film North by Northwest ( Der unsichtbare Dritte ) ist ein typisches Beispiel für solche Perspektiven in der Szene zu finden, in der Cary Grant und Eva Maria Samt in einer aussichtslosen Lage sich zwischen Absturz und Befreiung, Tod und Leben befinden Die Situation wird durch die zerklüftete Felslandschaft unterstrichen Die extremen Unter- und Aufsichten auf die Gesichter der steinernen Präsidenten unterstützen die Dramatik der Situation Diese Präsidenten stehen gleichzeitig auf einer an deren Bedeutungsebene für die Werte, um die es auch hier in dieser Geschichte geht Die Perspektive, aus der die Kamera ein Geschehen aufnimmt, interpretiert dieses Geschehen, gibt ihm damit auch eine Form, der Blick, mit dem es gesehen wird, verleiht ihm eine besondere Spannung HICKETHIER, Knut. Film- und Fernsehanalyse. 2., überarb. Aufl. Stuttgart;Weimar: 1996 (Sammlung Metzler; Bd. 277: Realien zur Literatur). S.61-62. siehe auch: Hickethier Knut: Film- und Fernsehanalyse. Online-Forum Medienpädagogik. Landesinstitut für Erziehung und Unterricht Stuttgart. http://lbs.bw.schule.de/onmerz Seite 1 (oder hier) |