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ABIOTISCHE FAKTOREN
Watttypen, Salz, Temperatur

 
4.1 Watttypen
4.2 Salz
4.3 Temperatur
Material
Material
ABIOTISCHE FAKTOREN

Viele der abiotischen Faktoren (AB 4) erfährt man am besten, wenn der Schlick zwischen den Zehen hervorquillt, der scharfe Wind einem die Tränen in die Augen treibt, die Lippen salzig schmecken und auf einmal das Wasser da ist. Daher sollen zur Lage und strukturellen Gliederung des Watts (AB5) nur einige Begriffe aufgeführt werden (AB3 s. Aufg. 1), deren Kenntnis in Beschreibung und Diskussion hilfreich ist; die Erfahrungen einer Wattexkursion sollen in den Arbeitsbögen vertieft werden, etwa die Phänomene Ebbe (AB3 s.o.) und Flut (AB5)
Im Hinblick auf die Salzpflanzen sollen nur wenige abiotische Faktoren näher beleuchtet werden. Abiotische Faktoren allgemein oder im Besonderen können in AB4 übersichtlich zusammengefasst werden.

4.1 Watttypen
4.2 Salz
4.3 Temperatur
Material
4.1 Watttypen, Korngrößen, Sedimentation, Nährstoffe

Der steckengebliebene Stiefel ist das sicherste Kennzeichen für das Schlickwatt. Der Tonanteil und die Menge der abgesunkenen Schwebstoffe betragen darin über 50 %, nur ca. 15 % des Materials sind Sand. Das Sandwatt dagegen trägt einen sicher, man kann die einzelnen Sedimentpartikel mit bloßem Auge erkennen. 
Ausschlaggebend für die Einteilung in Sand-, Schlick- und Mischwatt (AB6) ist die Korngrößenverteilung der Sedimente (AB6). Die Tabelle 6.1 und ein Graph ermöglichen einen Einblick in die Körngrößeneinteilungen, die feinstufige Zusammensetzung der Watttypen und den Vergleich mit dem Festland. 
Mit der Korngröße ändert sich auch die mineralische Zusammensetzung. Vom Feinsand über Schluff (Silt) zum Ton nehmen die Anteile an Quarzsand ab, die an Glimmer und Kalzit nehmen zu. Eisenoxide und organische Bestandteile kennzeichnen die Tonfraktion. 
Bei der Ablagerung des Materials spielt neben der Korngröße die Fließgeschwindigkeit des Wassers eine große Rolle. Das Prinzip der Korngrößenabnahme zur Tidenhochwasserlinie hin gilt am aktuellen Standort, einem kleinen Bereich im Watt, wie für einen Küstenabschnitt, eine Bucht etwa. Diese Zusammenhänge zeigen die Abb. in AB 6
Zur Dynamik des Watts gehört als Gegenspieler zur Sedimentation die Erosion. Beide Phänomene ändern ständig die Gestalt des Watts. 
Durch den Bau von Lahnungen, später durch das Ziehen von Gräben versucht der Mensch, die Erosion einzudämmen und die Sedimentation zu fördern. Erhaltung des Landes und Landgewinn, das sind die Schlagworte, die die Bewohner der Küste seit Generationen bewegen - auf der Hamburger Hallig etwa. Selbst nach 20 Jahren, seit der letzten Grüppelung weiter Teile der Hallig, ist das Rechteckmuster der Gräben und der Grüppenaushub als Beetwölbung gut zu erkennen. Die Lage zum MTHw schwankt zwischen +43 cm am Beetrand und +64 cm in der Mitte. Die Tab. 8.3 in AB8 zeigt ein Beetprofil und die Ergebnisse einer Bodenuntersuchung (HANSEN). Der Andelrasen hat eine humusreiche Oberschicht gebildet, die 10 - 15 cm dick ist. Darunter wechseln schluffige und grobe Sande bis -45 cm, die das vergangene Wechselspiel der Sedimentation widerspiegeln. In der Schicht darunter reichert sich Eisen an. Ab -70 cm zeigt die tiefschwarze Färbung den Übergang in die Bodenzonen, in denen Wasser- und Gasaustausch nur sehr gering ist: Fäulnis hat den Sauerstoff verbraucht, so dass nun unter reduzierenden Bedingungen Fe3+- in Fe2+-Ionen (AB7) übergeführt werden, die mit gelöstem Schwefelwasserstoff (AB7) H2S das dunkle, schwerlösliche Eisensulfid FeS bilden. Dieser sog. Reduktionshorizont kann im Schlickwatt schon nach wenigen mm erreicht sein (s. AB7, Oxidations- und Reduktionshorizont im Wattboden), da sehr viel organisches Material abgebaut wird. 

Dieses organische Material wie die mineralischen Nährstoffe, die das Watt so produktiv machen, stammen aus drei Quellen: aus der südlichen Nordsee, den Flüssen und dem watteigenen Nährstoffkreislauf. 
Der Atlantik versorgt die Nordsee mit Mineralien. Die daraus resultierende Produktion wird zum großen Teil an das Watt abgegeben. Eine Wasserprobe der flachen, südlichen Nordsee besteht im organischen Material zu 20 % aus lebendem Plankton, 80 % sind Detritus, totes organisches Material. Starke Gezeitenströme verhindern aber das Absinken des Detritus und eine Zersetzung am Grunde; vielmehr wird die tote Biomasse in die nördliche See und an die Küsten transportiert. Nach der Ablagerung im Watt findet die Mineralisierung statt (ABRAHAMSE et al.). 
Zweiter Nährstofflieferant sind die Flüsse. Als solche spielten sie 1950 noch eine untergeordnete Rolle, bis 1970 hatte sich ihre Mineralienzufuhr verdreifacht und ist damit der Versorgung durch den Atlantik ebenbürtig geworden. So wird in der Übersicht über die Ionenkonzentrationen des Meerwassers (Tab. 8.1) der Phosphatgehalt nicht angegeben, da Phosphat normalerweise nur in Spuren feststellbar ist. Die Flüsse erhöhen aber den Phosphatgehalt im Küstenbereich auf 1 - 1,5 mg/l, im Watt zwischen Sylt und Eiderstedt z.T. auf 2,5 mg/l (ABRAHAMSE et al.). 
Neben der Zufuhr von Außen hat das Watt wie jedes Ökosystem einen eigenen Nährstoffkreislauf, dessen Volumen aber nicht - wie man wegen der erhöhten Mineralienzufuhr annehmen könnte - gestiegen ist. Diese Vermutung stützen ABRAHAMSE et al. auf die Tatsache, dass die Flüsse auch für eine erhebliche Trübung des Wassers sorgen und daher die Primärproduktion eingeschränkt wird. 

4.1 Watttypen
4.2 Salz
4.3 Temperatur
Material
4.2 Salz in Wasser und Boden

Als Eckwert für den Salzgehalt der Nordsee im Küstenbereich könnte man 30 g/l = 30 o/oo angeben. In der räumlichen und zeitlichen Gliederung der Küste sind die Schwankungen im Salzgehalt jedoch z.T. recht groß. Extreme Werte erreichen Wattböden und Pfützen, wenn das Watt trocken liegt und Sonne und Wind an einem heißen Sommertag den Salzgehalt ansteigen lassen. Andererseits bewirken Regenschauer eine Aussüßung der Oberflächenwasser und der Böden, so dass Schwankungen von über 20 % keine Ausnahme sind. Wattbewohner, Pflanzen wie Tiere, müssen also nicht nur mit hohen Salzkonzentrationen, sondern auch mit dem Wechsel der Konzentration zurechtkommen. 
Das Salz gelangt nicht nur durch unmittelbare Überflutung in den Boden. Noch 10 km hinter der Küste enthält das Regenwasser eine erhöhte Chloridmenge von ca. 20 mg/l; unmittelbar an der Küste ist der Wert doppelt so hoch. Dort schlagen sich pro Tag und qm 300 mg Na+- und 200 mg CL--Ionen als sog. Präzipitat aus der Luft nieder (in 50 cm Entfernung von der Uferlinie). Mit der Entfernung vom Ufer gehen diese Präzipitatwerte jedoch schnell zurück; sie betragen ab 3 m Entfernung von der Uferlinie unter 100 mg (WAISEL).
Als maßgebliche Faktoren für den Salzgehalt der Böden des Eu- und Supralitorals lassen sich zusammenfassen: Wassergehalt (Einfluß von Niederschlag und Überflutung), Höhenlage in Bezug auf das MTHw und das Grundwasser, Kapillarität des Bodens (Korngröße, Durchwurzelung), Exposition, Wind, Sonnenstrahlung, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Pflanzenbedeckung (nach König aus HANSEN). Eine Salzdynamik im Boden der Hamburger Hallig hat HANSEN aufgenommen (AB8). Diese Werte könnten einen Hinweis auf die Situation in Salzwiesen des Supralitorals geben.
 

4.1 Watttypen
4.2 Salz
4.3 Temperatur
Material
4.3 Temperatur

Nach Ablaufen des Wassers ändert sich die Oberflächentemperatur des Wattbodens schnell, je nach Bodenart und Porosität. Die dunklen Schlickböden erwärmen sich am schnellsten, an heißen Sommertagen bis auf 35 oC! Im Winter kühlen sie bei anhaltendem Frost bis auf -10 oC ab. In den tieferen Bodenschichten sind die Schwankungen wesentlich geringer. In einer Tiefe von 50 cm sind etwa 17 oC messbar, wenn die Oberflächentemperatur über 30 oC beträgt (THIES). 
 

Material

Material

AB 3: Räumliche und Zeitliche Gliederung
AB 4: Abiotische Faktoren
AB 5: Dynamik und Sedimentation
AB 6: Watttypen
AB 6: REDUKTIONSHORIZONT (FeS), Schwefelkreislauf
INFO 4: Schwefelkreislauf
AB 8: Salze im Watt
AB 9: Messbogen