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Die Bedeutung der Salzwiesen

 
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2. DIE BEDEUTUNG DER SALZWIESEN
  • Die Vorländer schützen Deiche und Küsten.
  • Salzwiesen fördern die Verlandung. Nach Eindeichung und Aussüßung des Bodens liefern sie fruchtbarstes Ackerland.
  • Als Weiden für die Schafzucht sind die Salzwiesen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
  • Die Salzwiesen sind wesentlicher Bestandteil des Gliedes PRODUZENTEN im ÖKOSYSTEM Watt: Die Salzpflanzen (PRODUZENTEN) gestalten Lebensraum und schaffen Nahrung für viele Wirbellose, aber auch für Wirbeltiere, insbes. für Vögel, z. B. die nordischen Gänse.
  • In ihrem interkontinentalen Lebensraum sind die Salzwiesen für bestimmte Vogelarten von globaler Bedeutung.
  • Die Salzwiesen stellen eine weltweit einzigartige, sehr seltene Pflanzengesellschaft dar.
  • Das Watt ist in der BRD das größte, zusammenhängende und eines der letzten, von Menschen wenig beeinflußten Lebensräume. Allerdings liegen nur etwa 5 % der Salzwiesen noch in der natürlichen Form vor. Im Nationalpark sollen die Salzwiesen geschützt werden. 
  • Die Individuen der Salzwiesen haben ein Recht auf Leben.

Um die Wichtigkeit der Thematik Salzwiesen hervorzuheben, gehört dieses Kapitel natürlich an den Anfang aller Ausführungen. Lieber hätten wir es in den Abschnitt "Einflüsse durch den Menschen" (anthropogene Faktoren) einbezogen, um deutlicher zu machen, dass Menschen - Naturwissenschaftler, Naturliebhaber, Politiker, Bürger, Erwerbstätige - den Wert der Salzwiesen beurteilen. Eine solche Wertung vom Standpunkt des Menschen aus ist egozentrisch und vernachlässigt, ja missachtet oft den über alle Maßstäbe erhabenen Eigenwert jeder belebten Natur. Weiterhin vertreten Einzelne wie Gruppen verschiedene Interessen mit unterschiedlichen Wertmaßstäben, so dass die Ordnung der obigen Liste variabel ist. Tatsächlich sind Watt und damit die Salzwiesen 1986 zum NATIONALPARK WATTENMEER erklärt worden, eine Maßnahme die Früchte trägt. Seit 1995 gibt es für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ein Küsten-Natur-Schutzkonzept. Erste Erfahrungsberichte des Vorland-Managements können nun erstmals abgerufen werden.

1988 fand eine erste Kartierung der Salzwiesen im Festlandbereich der schleswig-holsteinischen Westküste statt: 6.150 ha. 10 % Zuwachs nennen die Nationalpark Nachrichten (Nat.Nachr. 6-7/2001), nämlich 6.770 ha. In Nordfriesland gibt es einen Zuwachs im gleichen Zeitraum um 9,8 %.Weitere Zahlen belegen die erfolgreichen Bemühungen um Naturschutz durch Verbände und Nationalparkamt:  2001 erblühen auf 42 % der Vorländer wieder Salzwiesenpflanzen, 1989 waren es nur 1 % (Nat.Nachr. 6-7/2001)!


Seit hunderten von Jahren dienten Eindeichungen dem Küstenschutz und dem Landgewinn. Allerdings liefen bis etwa 1940 Neueindeichungen nur in dem Maße ab, wie Zuwachs von höherem Vorland in Gestalt von Salzwiesen auf natürliche Art und Weise erfolgte. Die Vorländer brechen die Kraft der Wellen und fördern die Sedimentation. HEYDEMANN zeigte auf, daß unbeweidete Salzwiesen 0,3 cm mehr Material pro Jahr ansammeln als beweidete. 

Ab etwa 1950 hat sich die Eindeichungs-Strategie auf Kosten des Wattenmeeres insofern geändert, als Eindeichungen zunehmend auch Bereiche unterhalb der Salzwiesenzone (unterhalb des mittleren Tidenhochwassers) betrafen und weit in das offene Watt vorstießen. Das Eindeichen von Buchten sollte nunmehr die Küstenlinie verkürzen (HEYDEMANN). 

An der gesamten deutschen Nordseeküste wurden etwa 95 % der Salzwiesen in den 60er Jahren beweidet, davon wiederum rund 90 % intensiv. In Schleswig-Holstein ist dies überwiegend Schafbeweidung (4 Muttertiere / ha, inkl. Lämmer 12 Schafe / ha). Die intensive Beweidung begünstigt zwar wenige Pflanzenarten, die Mehrheit aller Salzwiesenpflanzenarten fallen aber unter solchen Bedingungen aus (HEYDEMANN). Eine Erholung deutet sich an (s.o.). Insgesamt ist die Beweidung zurück gegangen: 40 % der Salzmarschen im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer werden beweidet, davon ca. 1/4 extensiv und 3/4 intensiv (Gettner et. al im Umweltatlas Wattenmeer p. 86) 

Obwohl das Wattenmeer nur 1,5 % der Fläche der Nordsee ausmacht, hat es mit 4000 Pflanzen- und Tierarten einen ebensolchen Artenreichtum wie die gesamte Nordsee. Etwa 2100 Tierarten finden in den Salzwiesen Lebensraum (Supralitoral), weitere 1900 - 2000 Arten entfallen auf die beiden Wattzonen unterhalb der Salzwiesen (Eu- und Sublitoral). 300 Wirbellose gelten als endemisch, d.h. sie kommen nur in den Salzwiesen der Nordseeküste vor (Nat.Nachr. 6-7/2001). Das Wattenmeer hat damit ca. 6 % des gesamten Artenbestandes der BRD, obwohl es nur 3,2 % ihrer Fläche besitzt (HEYDEMANN). 

Die Salzpflanzen spielen dabei quantitativ eine untergeordnete Rolle. HEYDEMANN listet 41 Halophyten auf, 26 davon als häufig. In der hier vorgelegten Arbeit erfassen wir 25 Arten in Wort und Bild. 9 dieser Salzpflanzen haben als Wirtspflanzen für spezialisierte Wirbellose eine enorme Bedeutung, da sie die Grundlage für eine Vernetzungssystem von Salzwiesenpflanzen mit der Fauna darstellen. 

Fast der ganze Vogelbestand des Watts besteht aus Zugvögeln, Sommer-, Winter- und Jahresgästen. Die Brutplätze einiger Vögel liegen z.T. mehrere tausend Kilometer entfernt, und längst nicht für alle Wattvögel ist das Wattenmeer das entgültige Winterquartier. Sie alle nehmen hier die Nahrungsreserven für ihre unglaublichen Flugleistungen auf und konzentrieren sich dabei - z.T. auch zur Mauser - in recht eng begrenzten Räumen. Welche Arten hauptsächlich in der Queller- und Andelzone der Salzwiese ihre Nahrung als Primär- oder Sekundärkonsumenten aufnehmen, zeigt eine Übersicht. Dabei ist zu bedenken, daß in diesem Sinne auch oder gerade die beweidete, also die degenerierte Salzwiese eine enorme Bedeutung hat. 

Material
 

INFO 1:
BEDEUTUNG DER SALZWIESEN, ein Bild zum Nachdenken Bilder und Grafiken regen an, die Bedeutung der Salzwiesen abzuleiten und frei zu formulieren. 

AB 1: 
DAS WATT - Flächen, Karte

Einige Daten zu Flächen und Küstenlängen; eine Karte, die die Lage der Salzwiesen ausweist. 

INFO 2:
Nahrungszonen der Wattvögel

Eine Tabelle, die die Nahrungsaufnahme verschiedener Wattvögel in den  Zonen Vorlandes und des Watts aufzeigt. Damit unterstreicht es die Bedeutung der Salzwiesen.