Kirche und Naturwissenschaften
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Inhalt
1. Biographien
- Kopernikus
- Galilei
- Kepler2. Die unterschiedlichen Weltbilder (geozentrisch und heliozentrisch)
3. Der Konflikt mit der Kirche
4. weiterführende Literatur
5. Kontaktadresse der Verfasser
Teil 1: Biographien der wichtigsten
Astronomen dieser Epoche
Nikolaus Kopernikus
Domherr, Arzt und Astronom

19.02.1473 geboren in Thorn (polnisch: Torun)
1483 Als Zehnjähriger verliert Kopernikus seinen Vater. Sein Onkel, der Bischof von
Ermland, übernimmt seine Erziehung.
1491 Kopernikus beginnt sein Studium in Krakau, wo er die ersten Vorlesungen über
Astronomie hört.
1496 Nikolaus Kopernikus geht zu weiteren Studien nach Italien und zwar für
zunächst längere Zeit nach Bologna. Hier studiert er vor allem Rechtswissenschaft,
daneben beschäftigt er sich weiterhin mit Astronomie.
1500 Kopernikus wird vom Papst zu astronomischen Vorlesungen nach Rom berufen und
studiert dann bis 1503 in Padua hauptsächlich Medizin.
1503 Nach seinem Studium in Padua kehrt Kopernikus in seine Heimat zurück, hält
sich zeitweilig in Krakau auf, ist längere Zeit Leibarzt seines Onkels. Promotion zum Dr.
jur.
1507 Kopernikus vertritt die Ansicht, nicht die Erde , sondern die Sonne sei der
ruhende, zentrale Körper der (damals) bekannten Welt, um den sich die anderen
Körper bewegen. Die (heliozentrische) Planetentheorie stand im krassen Widerspruch
zu der im ganzen Mittelalter als unantastbar geltenden (geozentrischen) Lehre des
Ptolemäus.
1510 Herausgabe einer kleinen Schrift, in der er seine Theorie vertritt. Zur
Begründung seiner Theorie stellt er eigene Beobachtungen an, die mit kümmerlichen,
selbstgebauten Instrumenten durchgeführt werden.
1512 Als Kanzler des Domkapitels in Frauenburg tätig. Hier hat er genügend Zeit
für seine astronomischen Studien.
1530 Sein großes Werk ist im Manuskript fertig, er zögert jedoch mit der
Herausgabe, da sich immer neue Schwierigkeiten in der Erklärung der
Planetenbewegung ergeben.
1540 Auf Drängen seiner Freunde gestattet er, Auszüge aus seinem Werk zu drucken,
später dann das ganze Buch.
24.05.1543 An seinem Todestag in Frauenburg trifft das erste Exemplar seines Buches
"De revolutionibus orbium coelestium libri VI" ein.
15. 2. 1564 geboren in Pisa (Italien).
1592 Nach dem Studium der Naturwissenschaften erhält er eine Professur für Mathematik an
der Universität Padua. Schon während seines Studiums wird Galilei durch
Veröffentlichungen über die Gesetze der Pendelbewegungen und die Erfindung einer Waage
für das spezifische Gewicht der Körper bekannt.
1597 In Padua beginnt Galilei sich auch für Kosmologie zu interessieren, besonders für
die revolutionierenden Entdeckungen der Astronomen Kopernikus und Kepler. Galilei ist bald
von der Richtigkeit der Entdeckungen und Berechnungen seiner Kollegen überzeugt.
1609 Wie eine Sensation wirkt in Europa die Entwicklung des ersten Fernrohrs durch
Galilei. Er entdeckt die vier Monde des Jupiter, die Sonnenflecken und die Ringe des
Planeten Saturn und -was noch wichtiger ist- er bestätigt die Berechnungen von Kopernikus
und Kepler durch seine Beobachtungen mit dem Teleskop.
1615 Obwohl Galilei bald in Italien und ganz Europa ein berühmter Mann ist und mit vielen
Ehren überhäuft wird, bekommt er Schwierigkeiten, als er während eines
Aufenthaltes in Rom von einem Dominikanerpater wegen Ketzerei (Verbreitung falscher
Lehren) denunziert wird. Er wird aufgefordert, sich dem sogenannten "Heiligen
Offizium", der Inquisitionsbehörde der römisch-katholischen Kirche zu stellen.
Geleitet wird diese Behörde von Kardinal Bellarmin, der wesentlich am Prozeß, der
Verurteilung und Verbrennung von Giordano Bruno, einem italienischen Wissenschaftler,
beteiligt war. Galilei kann seine Thesen vorstellen und erläutern und findet bei der
Inquisitionsbehörde zunächst keinen Widerspruch, da die Richtigkeit seiner
Forschungsergebnisse offen zu Tage liegt.
15 Jahre lang kann Galilei fast unbehelligt seinen Forschungen nachgehen und an der
Universität lehren. Er erhält von Papst Urban VIII. sogar die Genehmigung, ein Buch zu
schreiben, in dem er die Ideen des Ptolemäus und des Kopernikus als zwei mögliche Thesen
vorstellt.
1632 Der große Erfolg seines Buches und seine besseren Argumente für das heliozentrische
Weltbild bewegen den Papst dazu, es zu verbieten. Allerdings ist es beim Verleger schon
vergriffen und die Inquisition kann die Verbreitung nicht mehr stoppen.
22.6.1633 Galilei muss im Büßerhemd vor den Richtern niederknien und einen Text
vorlesen, in dem er erklärt, nicht mehr an die Ideen zu glauben, die er sein ganzes Leben
lang vertreten hat. Er wird zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.
1642 Galilei stirbt in seinem Haus in Arcetri.
27.12.1571 Kepler wird in Weil der Stadt geboren.
Er lernte ab seinem 5. Lebensjahr Latein in der Deutsch-Lateinischen Schreibschule
in Leonberg.
1588 Baccalaureat in der höheren Klosterschule Maulbronn.
1589 - 1594 Kepler studiert an der Universität zu Tübingen. Alle seine
Quartalszeugnisse be-schei-nigten ihm vorzügliche Leistungen in den 6 Fächern des
Grundstudiums. In seiner Selbstcharakteristik schrieb er, daß er seine Zeit meist mit
schwierigen Dingen verbringe, vor denen andere zurückschrecken. Die Astronomie lernte er
im Rahmen des Faches Mathematik kennen.
1592 Er erwirbt die Magisterpromotion, die den Übergang aus der philosophischen Fakultät
in einen der drei Hauptstudiengänge bedeutete. Kepler entschied sich dabei für die
Theologie.
1594 -1600 Ist er Mathematiklehrer in Graz, Steiermark.
1597 Kepler heiratet.
1600 - 1601 Ist er Mitarbeiter des dänischen Astronomen Tycho Brahe.
1601 Wird Kepler kaiserlicher Mathematiker in Prag. Er behält diese Stellung bis
1612. Gestützt auf Tycho Brahes genaue Beobachtungen, gelingt es Kepler, die Stellung
aller Planeten zu jedem beliebigen Zeitpunkt und damit auch das Auftreten von Sonnen- und
Mondfinsternissen zu berechnen. In Astronomia Nova , einem der größten Meisterwerke der
Naturwissenschaften, das
1609, erscheint, erläuterte er seine ersten beiden Planetengesetze. Kepler
veröffentlichte insgesamt 30 - fast alle in Latein geschriebene - Werke zur Astronomie,
Optik und Mathematik. Seine 1627 erschienenen Ru-dol-phi-nischen Tafeln, an denen er
25 Jahre gearbeitet hatte, wurden fast 300 Jahre lang in der Schiffahrt zur Navigation
verwendet.
1613 Wiederverheiratung nach dem Tod seiner ersten Frau. Aus beiden Ehen hatte
Kepler 12 Kinder, von denen 3 das Erwachsenenalter erreichten.
ab 1617 reiste Kepler mehrmals nach Württemberg, um seine Mutter, die als Hexe
angeklagt war, zu verteidigen. Keplers Biographen bescheinigen ihm, daß er stets zu
seinen Überzeugungen stand, und sein ganzes Leben lang um einen gerechten, versöhnlichen
Ausgleich bemüht war. Sie bewundern an ihm auch "den aufrichtigen Charakter, dem
alles Kleinliche und Egoistische fremdblieb." Am
15.11.1630 stirbt Johannes Kepler in Regensburg.
Teil 2: Die unterschiedlichen Weltbilder

Das geozentrische System
Die geozentrische Idee beruht auf Aristoteles und Ptolemäus. Sie nahmen an, daß die Erde
der Mittelpunkt des Universums sei und daß sich alle Planeten in Kreisen, die
vollkommensten Bahnenformen, um die Sonne bewegen. Da die Planeten außer der Sonne
teilweise scheinbar stehenbleiben oder sogar rückläufige Bahnen beschreiben, führte
Ptolemäus Epizykel ein und brauchte insgesamt 80 Kreise. Die Fixsterne befinden sich auf
einer kugelförmigen Späre, die das Planetensystem umschließt.
Das heliozentrische System
Kopernikus gab den geozentrischen Standpunkt auf, seine Thesen beruhen allerdings noch
auf kreisförmigen Planetenbahnen. Seine wichtigsten Thesen sind:
- Die Erde dreht sich täglich um die eigene Achse, die tägliche Bewegung der Gestirne
ist also nur scheinbar.
- Die Sonne ist ruhend und das Zentrum des Universums und die Erde umkreist sie.
- Die Erde ist nur ein Planet unter vielen, die die Sonne umkreisen, und hat
keine Sonderstellung im Universum.
Die Keplerschen Gesetze:
1. Die Planeten bewegen sich auf Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die Sonne steht.
2. Der Radiusvektor eines Planeten zur Sonne überstreicht in gleichen Zeiten gleiche
Flächen.
3. Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die Kuben ihrer
großen Bahnhalbachsen.
Der heliozentrische Standpunkt war mit der damaligen Weltauffassung der
meisten Gelehrten wie auch der Theologen unvereinbar. Um dies abzuschwächen fügte man
Kopernikus Werk ohne dessen Wissen die Bemerkung bei, seine Lehre sei nur eine
Hypothese, das heißt eine nicht bewiesene Behauptung. Es ist richtig, daß Kopernikus
für seine neue Auffassung keine schlüssigen Beweise beibringen konnte. Doch zeigte er
durch ausführliche Rechnungen, daß sich die von der Erde aus beobachteten
Planetenbewegungen auch heliozentrisch beschreiben lassen. Damit überwand er die
ichbezogene Enge der mittelalterlichen Betrachtungsweise, nach der die Erde und damit auch
der Mensch im Mittelpunkt des Weltalls stehe und leitete zur universellen Auffassung der
Neuzeit über. Diese sogenannte kopernikanische Wende vermochten damals nur wenige
Gelehrte geistig nachzuvollziehen. Zwar wurden die Astronomen mit dem geozentrischen
Weltbild immer unzufriedener, denn die genauer werdenden Beobachtungen machten immer
weitere und kompliziertere Korrekturen nötig. Doch die Kreisbahnen, die Kopernikus noch
beibehielt, bewirkten keine große Verbesserungen in der Voraussage von
Planetenpositionen. Erst Kepler konnte, gestützt auf die sehr genauen Beobachtungen
Brahes, mit Hilfe von Ellipsen die Planetenbahnen genauer berechnen. Diese Exaktheit wurde
zwar allgemein anerkannt, man schrieb sie jedoch seinen besseren numerischen Rechnungen
und nicht seinen neuen Einsichten zu.
Galilei versuchte das heliozentrische Weltbild anders zu beweisen. Er erkannte Monde, die
um den Jupiter kreisten, die Erde konnte also nicht mehr das einzige Zentrum von
Kreisbewegungen sein. Damit trat Galilei öffentlich gegen das von Gelehrten und Kirche
anerkannte geozentrische Weltbild auf. Die Gelehrten schenkten jedoch den Schriften
Aristoteles mehr Glauben als der direkten Wahrnehmung und Galilei wurde der Ketzerei
angeklagt, weil das heliozentrische System im Widerspruch zu dem Wortlaut der Bibel stand
(Josua befahl der Sonne still zu stehen, nicht der Erde) und mußte öffentlich seine
Aussagen revidieren. Die endgültigen Beweise für dieses System wurden erst von Newton
(1643-1727) und seinen Nachfolgern erbracht.
Teil 3: Der Konflikt
Die Idee des heliozentrischen Weltbildes war keinesfalls neu, nur war
Galilei der erste, der sie auch gegen den Widerstand von Kirche und anderen Gelehrten
behauptete. Vor ihm hatten bereits Aristarch von Samos (300 v. Chr.), Kopernikus und
Kepler das geozentrische Weltbild des Ptolemäus, deshalb auch ptolemäisches Weltbild
genannt, in Frage gestellt. Aristarch hat keine heute noch gültige naturwissenschaftliche
Argumentation für seine These geliefert. Kopernikus hat aber aus seinen Beobachtungen ein
heliozentrisches Modell abgeleitet, das nach ihm auch kopernikanisches
Weltbild" genannt wird. Er konnte seine Hypothese nicht be-wei-sen, belegte aber an
vielen Rechnungen ihre Richtigkeit. Diese Rechnungen und die Idee des neuen Weltbildes
erschienen in Kopernikus Werk De revolutionibus orbium coelestium libri
VI". Kopernikus war sich durchaus der Gefahren seiner Forschungsergebnisse bewußt.
Er war zwar sicher, daß sein neues Weltsystem richtig sei, wartete aber mit der
Veröffentlichung seiner Gedanken bis an sein Lebensende, um keinen offenen Bruch mit der
Kirche zu provozieren.
Als er dann an seinem letzten Lebenstag sein Buch vorgelegt bekam, mußte er sich mit der
Veränderung des Titels und einer zugefügten Vorrede abfinden. Beides war ohne sein
Wissen geschehen. In der Vorrede wurden seine Aussagen als hypothetisch abgeschwächt, was
Kopernikus selbst nie getan hätte, da er fest von ihrer Richtigkeit überzeugt war.
Mit der Veröffentlichung seines Buches löste er die Kopernikanische Wende"
aus, während der sich das heliozentrische Weltbild zunehmend gegenüber dem
Geozentrischen durchsetzte.
Schon zu diesem Zeitpunkt wird der Grundstein für ein Verständnisproblem gelegt, um das
der entstehende Konflikt immer kreisen wird: Vor der Kopernikanischen Revolution wurde
unter Naturwissenschaft die Erklärung von Naturphänomenen durch Studium und Auslegung
der Bibel verstanden. Die Bibel wurde noch nicht metaphorisch gedeutet, sondern man hielt
sich recht genau an ihren Wortlaut. Berechnungen und Messungen waren als Methoden der
Wahrheitsfindung von der Kirche nicht akzeptiert. Die Kirche behielt diese Auffassung der
Naturwissenschaft noch lange bei, während die Naturwissenschaftler selbst sich ganz
anderer Methoden bedienten. Durch diese Ablehnung naturwissenschaftlicher Grundprinzipien
war ein Konflikt zwischen Na-tur-wissen-schaftlern und Kirche vorprogrammiert.
Johannes Kepler hat 1594 das kopernikanische Weltbild, auf Meßdaten des dänischen
Astronomen Tycho Brahe gestützt, bewiesen und dabei die nach ihm benannten Keplerschen
Gesetze gefunden. 1616 wurde das kopernikanische System von Rom verboten, bis es
verbessert wird". Der gläubige Christ Kepler wollte sich nicht auf einen Konflikt
mit dem heiligen Stuhl einlassen und formulierte bis es verbessert wird" in
bis es erklärt wird" um. Kepler sah keinen Gegensatz zwischen Bibel und seinen
Forschungs-ergeb-nis-sen. Schon Kepler wehrte sich vehement gegen den Mißbrauch der Bibel
als Lehrbuch der Optik und Astronomie", hatte aber mit seinen Bemühungen,
keinen Gegensatz zwischen Kirche und Naturwissenschaften entstehen zu lassen, keinen
Erfolg.
Kepler und Kopernikus hatten das Glück, im protestantischen Norden Europas zu leben, der
toleranter als der römisch - katholisch geprägte Süden war. Galilei dagegen stand in
Italien un-ter dem direkten Einfluß der katholischen Kirche und war in seinen
Äußerungen weitaus pro-vo-zierender als Kopernikus. Da Galilei selbst gläubiger Christ
war, lag ihm nichts an einem Bruch mit der Kirche. Da er aber durchaus streitlustig und
wenig bereit war, seine Forschungsergebnisse, von deren Richtigkeit er über-zeugt war,
zurückzuhalten, mußte es zur Auseinandersetzung mit der Kirche kommen. Es konnte nur ein
Weltbild der Wirklichkeit entsprechen, entweder das Geo- oder das Helio-zentrische.
Kennzeichnend für den sich anschließenden Disput war, daß beide Parteien völlig
aneinander vorbei redeten und unterschiedliche Methoden der Wahrheitsfindung als einzig
richtig betrachteten: Die Kirche argumentierte mit den vom heiligen Geist durch die
Münder der Propheten offenbarten Bibelstellen und nahm sämtliche Philosophen zu Hilfe,
die das ptolemäische Weltbild begründeten. Galilei ging von seinen Beobachtungen und
Berechnungen als Naturwissenschaftler aus. Dabei war es nie sein Ziel, die Bibel zu
widerlegen, sondern eine andere Art ihrer Interpretation zu erreichen. In einem Brief an
seinen Schüler Benedetto Castelli schrieb er im Dezember 1613: Mir scheint, daß
die Heilige Schrift weder lügen noch irren kann, sondern daß ihre Aussagen von
absoluter und unverbrüchlicher Wahrheit sind. Ich hätte nur hinzugefügt, daß,
obwohl die Schrift niemals irren kann, ihre Interpreten und Ausleger nichtsdestoweniger
manchmal auf die verschiedenste Weise irren können, deren eine sehr ernst ist und
ziemlich häufig auftritt, wenn sie sich nämlich auf die wörtliche Bedeutung der Worte
stützen."
Unmittelbar danach begründet er seine Meinung: Denn dann würden in der Bibel nicht
nur verschiedene Widersprüche auftauchen, sondern sogar schwere Häresien und
Blasphemien, weil es dann nötig wäre, Gott Füße und Hände und Augen zuzusprechen und
ebenso menschliche Gefühle wie Zorn, Trauer und Haß, oder manchmal sogar Vergeßlichkeit
vergangener Dinge und Unkenntnis der Zukunft." Diese Begründung, die eigentlich zur
Deeskalation führen sollte, bewirkte das genaue Gegenteil: Galilei hatte sich in die
Auslegung der Bibel eingemischt und sich damit auf ureigenstes kirchliches Terrain
begeben. Er rüttelte am Fundament der Kirche, indem er eine Bibelauslegung durch Gelehrte
forderte, die dieser Aufgabe auch gewachsen sind und unterstellte den bisherigen Auslegern
damit gleichzeitig Unfähigkeit. Die Kirche wiederum kann diesen Vorwurf eines Laien
unmöglich auf sich sitzen lassen.
Sie selbst verlangt von Galilei aber, daß er nach dem Vorbild des Kopernikus nur ex
suppositione" (also hypothetisch) von seinen Forschungsergebnissen berichte. Diese
Forderung ist aus zwei Gründen ungerechtfertigt und ungerecht:
1. Kopernikus hat seine Entdeckungen selbst nie in Frage gestellt. Das Vorwort zu seiner
Veröffentlichung, in dem seine Forschungen zu unbewiesenen Thesen abqualifiziert werden,
wurde seinem Buch ohne sein Wissen zugefügt. Er selbst wäre nie damit einverstanden
gewesen, konnte aber nichts mehr ändern, da das Buch erst an seinem Todestag erschien.
2. Galilei trat für ein bereits von Kepler bereits bewiesenes System ein. Ein bewiesenes
System als hypothetisch zu deklarieren, wäre wissenschaftlich nicht korrekt gewesen und
Galilei verstand sich als Wissenschaftler.
Trotz Galileis klarer Einschränkung seiner Kritik auf die Bibelauslegung, wird von
Kardinal Robert Bellarmin weiterhin, ohne auf Galilei einzugehen, behauptet, daß Galileis
Kritik sich auch gegen die Bibel selbst richte und er ihr einen Fehler unterstelle. Das
tut Galilei jedoch mit keinem Wort.
Ein Vorwurf, den sich Galilei vielleicht gefallen lassen muß, ist, daß er gegen das
Konzil von Trient verstößt. Das hatte nämlich verboten, [...] die Bibel gegen die
allgemeine Über-ein-stim-mung der Väter auszulegen [...]". Falls Galilei Christ
sein wollte, war der Konzilsbeschluß für ihn bindend. Allerdings verstößt er nicht
eindeutig gegen den Konzilsbeschluß, denn er legt die Bibel nicht neu aus, was verboten
wäre, sondern kritisiert nur die bisherige Auslegung. Trotz aller Vorbehalte gegenüber
Galileis Argumentation sagt Bellarmin, daß, wenn ein wirklicher Beweis dafür [für
das heliozentrische Weltbild; d.A.] vorhanden wäre, [...] man dann bei der Erklärung der
Bibelstellen, welche das Gegenteil zu sagen scheinen, mit großer Vorsicht vor-gehen
müßte und eher sagen sollte, wir verständen dieselben nicht, als, das sei falsch, was
bewiesen wird. Aber ich werde nicht eher glauben, daß ein solcher Beweis geliefert sei,
bis er mir vorgelegt wird." Bellarmin sieht Keplers Beweis des heliozentrischen
Weltbildes also nicht als solchen an.
Teile des entstandenen Konflikts sind noch sachlich nachvollziehbar, nun beginnt aber der
Streit um die Gültigkeit von Beweisen. Für Galilei sind Beweise nur in der Form wie sie
heute in den Naturwissenschaften üblich sind, gültig; andere akzeptiert er nicht.
Bellarmin, der die Kirche in diesem Fall vertritt, ist davon überzeugt, daß ein Beweis
für ein heliozentrisches Weltbild noch nicht existiert. Deshalb meint er, man solle
im Zweifelsfall von der Auslegung der Schrift durch die Väter nicht abgehen."
Wieder begründet er anschließend die unbestrittene Bibel, indem er erklärt, daß Salomo
sehr weise gewesen sei und seine Weisheit von Gott stamme, man sich also deshalb kaum
vorstellen könne, daß Salomo geirrt habe. Diese Argumentation läuft allerdings ins
Leere, da Galilei nie behauptet hatte, daß Salomo geirrt habe, sondern nur sagt, daß die
Worte Salomos falsch ausgelegt worden seien. Ein Beweis mußte also, damit die Kirche ihn
akzeptiert, zu dieser Zeit anderen Kriterien genügen als heute gültige
natur-wissen-schaftliche Beweise.
Soweit ist der Konflikt umrissen und es wird klar, wie unwahrscheinlich eine Lösung war, bei der beide Konfliktparteien ihr Gesicht wahren konnten, da es für beide Seiten um essentielle Fragen ging. Deshalb gab es in diesem Fall auch keine Lösung, sondern eine Durchsetzung der katholischen Kirche gegenüber Galilei: Galilei wurde die Verbreitung seiner Lehre untersagt. Daraufhin schrieb er den Dialogo sopra i due massimi Sisterni del Mondo", einen platonischen Dialog, in dem die Frage des neuen Weltbildes verhandelt wird. Da die Kirche darin durch die Figur Simplicio sehr unvorteilhaft dargestellt wird, wird Galilei der zweite Prozeß gemacht. Darin wird er gezwungen, seiner Lehre abzuschwören und muß als 69jähriger Greis am 23. Juni 1633 im Minervakloster die berühmte Abschwörungsurkunde unterzeichnen. Anschließend wird Galilei unter Hausarrest gestellt und stirbt am 8. Januar 1642.
Kurzmeldung vom 31.10.1992:
Vatikan/ 350 Jahre nach seinem Tod wird der Physiker Galileo Galilei offiziell von
der Kirche rehabilitiert. Papst Johannes Paul II. stellt fest, Galilei sei Unrecht
geschehen, als ihn die Inquisition im Jahre 1633 unter Folterdrohung zwang, dem
kopernikanischen Weltbild abzuschwören, nach dem sich die Erde um die Sonne dreht. Der
Papst gesteht den Richtern der Inquisition aber zu, sie hätten guten
Gewissens" gehandelt."
Brenneke Schuster: Physik
de Rosa, Peter: Gottes erste Diener
Der Spiegel: Ausgabe 46/1992 vom 9.November 92
Dorn Bader: Physik
Galilei, Galileo: Dialog über die beiden hauptsächlichen Weltsysteme, das ptolemäische und das kopernikanische
Gutschera, H. und Thierfelder, J.: Brennpunkte der Kirchengeschichte
Herder Verlag: Lexikon für Theologie und Kirche
Internet-Recherche
Keppler, Erhard: Sonne, Monde und Planeten
Läpple, Alfred: Kirchengeschichte in Dokumenten
Läpple, Alfred: Report der Kirchengeschichte
Läpple, Alfred: Situation und Entscheidung
Maury, Jean-Pierre: Galileo Galilei - Und sie bewegt sich doch!
Munzinger-Archiv
Reuters-Archiv: Kurzmeldung vom 31.10.92
Sterne und Weltraum: Ausgaben 4/97 und 8-9/97
Verdet, Jean-Pierre: Der Himmel - Ordnung und Chaos der Welt
Vieweg: Physik
Verfaßt von Alexander Krupp Kruppi@t-online.de und Marcel Möllenbeck McMal@gymlech.biocybernetics.com