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Zusammenfassung der Rede von S. K. Banerjee

Heutzutage ist das Netz an sozialen Verflechtungen nur schwer zu erfassen. Wir fühlen uns daher unmittelbar von der täglichen Last erlöst, wenn wir durch die Natur gehen und uns ein Gefühl von innerem Frieden überkommt. Wenn wir unsere Sinne schärfen, nehmen wir das Wunder der Natur durch bloße Beobachtung wahr. Es sind zum Beispiel die sozialen Auswirkungen einer Reise von Kurseong nach Delhi sowie die Erledigung der Pflichten dort sehr anstrengend und schwierig. Man konzentriert sich auf die Ausübung des Jobs - da hat man mit einigen Aufgaben und Pflichten fertig zu werden - ohne sich über soziale Verwicklungen Gedanken zu machen. In dem Moment, in dem man sich ein wenig Zeit nimmt, über die sozialen Verzweigungen nachzudenken, gerät man in Verwirrung. Tatsächlich kann ein intelligenter Mensch mit guter Schulbildung nicht begreifen, wie er der Anforderung gerecht werden kann, unsere soziale Situation zu verstehen. In Indien ist dies vor allem ein städtisches Problem, welches sich im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung der Landwirtschaft und der Entwicklung der Kommunikationssysteme jedoch rapide in den ländlichen Raum ausbreitet . In den meisten indischen Dörfern existiert nach wie vor ein kompliziertes soziales System. Der Ort des Gebetes oder der Tempel ist die Quelle der Inspiration; dort versammelt sich die Gemeinschaft. Spirituelle Einsichten, welche die Zeiten überdauert haben, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, angefangen von der großen Ära der Erleuchteten - der Rishis oder Sages - werden noch stets befolgt und im sozialen Leben praktiziert. Die magischen Mantras, weitergegeben von den Brahmanen und Priestern, berühren die Seele der Menschen, und soziale Aktivitäten basieren auf dieser Moral. Das Schimmern der Botschaft von der Spitze der Pyramide zu ihrer Basis spiegelt sich in der Arbeit auf dem Land, der traditionellen Basis, wieder. Diese ist Grundlage für eine ganzheitliche nachhaltige Landwirtschaft. Wenn man sich irgendwo niederläßt, gerät man ins Grübeln. Ein logischer Gedankengang erwächst aus dieser intellektuellen Entwicklung. Technologische Wissenschaften passen nicht in diese Denkweise. Wissenschaftliches Denken ist in der technischen Welt verankert; es ist jedoch bar jeglicher spiritueller Anreize. Daher ist diese Denkweise leblos. In den Höhen von Kali Yuga - wo wir nun leben - dominiert dieses tote Denken unser Leben in allen Bereichen. Logisches Denken erschafft Industrie und Maschinen. Maschinen verdrängen Menschen aus ihren Arbeitsbereichen und dies wirkt sich schließlich auf die Produktion und die gesamte Wirtschaft aus. In allen Bereichen unserer Gesellschaft gibt es zügellose Menschen, die nur darauf aus sind, ihren persönlichen Gewinn zu maximieren. Die soziale Einheit geht verloren in der Rangelei um eine Führungsposition, die aus dem egoistischen Wunsch entsteht, in einem überflüssigen Wettbewerb eine Führungsposition einzunehmen. Bio-dynamische Landwirtschaft bietet einen Ausweg aus diesem Dilemma. Sie ist eine Umkehrung dieses Trends. Sie dient der Zurückgewinnung verlorenen Bodens und dem Einschlagen des richtigen Weges hin zu einer positiven Entwicklung. Die industrialisierte Landwirtschaft erzeugt zwar kurzfristige Ertragszuwächse durch den Eintrag von chemischen Düngemitteln, Pestiziden, etc.. Aber für welchen Preis ? Dies alles sind Werkzeuge für eine langfristige Zerstörung. Eine Analogie zum Alkoholismus liegt auf der Hand; die kurzfristigen Höhepunkte können nur durch eine zunehmende Menge an ebenfalls zunehmend giftigen und chemischen Einträgen erreicht werden. Ist es vorzuziehen, hin und wieder eine künstliche Stimulans zu haben, z.B. einen Schluck Whisky (dessen Level nur durch kontinuierlich zunehmende Mengen nach einer Zeit regelmäßigen Trinkens und der damit verbundenen Immunität des Körpers beibehalten werden kann) oder einen stetigen Energiefluss durch eine ausbalancierte Diät ? Die Geschichte des Darjeeling-Tee beweist diese Tatsache ganz klar. Die Plantagen sind während der letzten drei Jahrzehnte zusehends verfallen, obwohl Sie mit dem Allheilmittel - der chemischen Keule - überschüttet wurden. Nach der ersten Euphorie und steigenden Erträgen kam es zu rapiden Einbußen in der Produktion, zu Verwüstung, verursacht durch gedankenlos angelegte Tee-Mono-kulturen (gekoppelt mit dem Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln), zu schwindender Produktivität. Die Zerrüttung der sozialen Einheit hat diese wunderbare Region in ein völliges Chaos geführt, in der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung herrschen. In Makaibari hat dieser Trend nicht bloß angehalten, nein, er ist umgekehrt worden durch die Einführung bio-dynamischer Praktiken. Diese machen einem bewußt, daß die Methoden der Landwirtschaft durch die Evolution der Erde festgelegt wurden. Die Erde ist eine kosmische Kreation - daher ist unser Denken von der Kraft der Natur beeinflusst und nicht von den Maschinen der Industrie. Wir haben die Freiheit Maschinen zu erfinden - Pflanzen und Tiere aber gedeihen nach den Gesetzen der Natur. Jegliche industrielle Produktion ist unabhängig von der Zeit, vom Rhythmus der Natur, von Tag und Nacht, von den Jahreszeiten; wohingegen die traditionelle Landwirtschaft vom Rhythmus der Natur abhängig ist. Wir in Darjeeling können keinen First Flush in anhaltend schlechtem Wetter ernten. Wir müssen warten, bis die Tage länger werden, die Temperaturen steigen und sanfte Frühlingsregen niedergehen, bis wir den Tee ernten können. Ebenso wenig können wir erwarten, den Second Flush im Herbst zu ernten, da eine ganze Reihe von Naturgewalten in dieser Periode zusammenkommt. Das Verstehen dieser Kräfte und die Arbeit in Harmonie mit ihnen führt zu tiefer Zufriedenheit. Die Natur reproduziert sich selbst; sie steht in einem geschlossenen Kreislauf, ganz im Gegensatz zu Maschinen. Ein Teebusch bringt Blätter und Samen für den Fortbestand seiner Art hervor. Eine Maschine verschleißt und muß ersetzt werden. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen der leblosen materialistischen Denkweise und derjenigen, die sich auf die Gesetze der Natur stützt. Infolgedessen haben der Druck zur Wirtschaftlichkeit und die damit verbundene Gier den Blick von einem Leben in sozialer Ordnung - geleitet durch die nachhaltigen Kräfte der Natur - auf ein verwirrendes destruktives soziales Szenario gelenkt, welches von Maschinen diktiert wird. Der Prozess in Makaibari wurde ausgelöst durch den ernst gemeinten Versuch, uns selbst von der Sklaverei der Industrialisierung zu befreien. Wir haben uns bemüht, dieses umzusetzen. Wir schonen Wasserressourcen und ehren und bewahren das Land durch sorgsamen Umgang. Mulch bewahrt den Boden vor Erosion, ausgelöst durch starke Monsunregen und vor dem Verlust der wertvollen oberen Humusschicht. Er unterbindet das Unkrautwachstum, tötet es jedoch nicht ab. Durch den Abbau des Mulchs und seine Kompostierung entstehen gute Lebensbedingungen für Mikroorganismen, welche im Gegenzug zur Gesundheit und Fruchtbarkeit des Bodens beitragen, und natürlich bedeutet ein gesunder Boden eine gesunde Menschheit. Wenn man alle Lebensformen respektiert und wenn man die Teemonokulturen als Teil eines evolutiven Systems ansieht (und nicht hauptsächlich als Einkommensquelle) hilft diese Sichtweise falschem Egoismus vorzubeugen. Unser Blick richtet sich auf den subtropischen Regenwald und seine ständige Erneuerung. Der Wald setzt sich sogar innerhalb der Teeplantagen fort. Die Teekulturen sind in verschiedene Bereiche unterteilt und sie werden aufgelockert durch den permanenten und periodischen Anbau von Hülsenfrüchtern, alternativer Vegetation (Heilkräuter und Klee) sowie Bäumen (Fruchtbäume und den sagenhaften Neembaum). Durch die Mischung der zu Boden gefallenen Teeblätter und der Bodenvegetation mit der Vielzahl von Kleesorten (einheimische und importierte) entsteht eine fruchtbare Humusschicht. Der Mulch, der durch diese Pflanzenvielfalt entsteht, bildet einen einzigartigen Boden. Alle umliegenden Dörfer sind begeistert dabei, wenn es darum geht, bio-dynamischen Kompost aus tierischem Dung - speziell Rinderdung - herzustellen. Der Dünger fördert das Teewachstum sowie das des Gemüses in den Gärten der Plantagenbesitzer und -arbeiter. Dieses Bewußtsein ist durch eine enge Interaktion zwischen Individuen, Gruppen und Dörfern über einen längeren Zeitraum entstanden. Der Mensch kann in gleichem Maße Erschaffer und Zerstörer sein. Die bio-dynamischen Anbaumethoden ermöglichen es dem Menschen, wegzukommen vom materialistischen Gewinnstreben und einen harmonischen Weg im Einklang mit der Natur einzuschlagen. Hierzu besteht kein Zwang - Zwang in dem Sinne, daß man sich selbst Fesseln anlegt. Vielmehr sollte hieraus eine gegenseitige positive Rückkopplung erwachsen, die einen selbst von materialistischen Zwängen befreit. Ginge man den Weg des Materialismus weiter, so würde schließlich derjenige, der die Natur besiegt, selbst zugrunde gehen!

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