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Triathlon in Köln (07.09.2008)

Cologne 226

(3.8 KM Schwimmen, 180 KM Radfahren und 42,195 KM Laufen)

Im Herbst 2007 habe ich mich für den Ultratriathlon 2008 in Köln angemeldet. Da wußte ich noch nicht, daß ich im Sommer 2008 ca. 12 Stunden täglich durch meinen Beruf nicht zu Hause bin. Also pro Tag nur 12 Stunden Zeit für Schlafen, Familie und Training. Da mußten die langen Einheiten am Wochenende erfolgen. Samstags morgens langen Lauf. Der ist 32KM lang. Zum Glück für mich läuft meine Frau Marathon und deshalb war es kein Problem, dass sie mich dann begleitet. Sonntags morgens früh auf und 170KM auf dem Rad. Dann war ich gegen Mittag wieder zu Hause. Samstags oder Sonntags Abend ab zum Fühlinger See. 2KM Schwimmen bei dem mich meine Frau dann am Rand begleitete.

Nun aber war der Tag gekommen. Meine Frau und meine Tochter sind als Fans mitgekommen. Da um 7 Uhr schon der Start ist mußte ich früh aus den Federn, damit der Körper auf Touren kommt. Der Start muß jetzt aber auch endlich erfolgen, da die Familie schon unter meiner Nervosität, die in den letzten Tagen vor dem Start immer größer wurde, ein wenig zu leiden hatte.  In den letzten Tage laufen im Kopf immer wieder die gleichen Fragen ab.

Ich habe versucht, die Möglichkeit des Nichtankommens aus meinen Gedanken zu streichen, evtl. auch verursacht durch eine Reifenpanne, durch Krämpfe beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen. Mentale Stärke ist sehr wichtig. Wer nicht an sich glaubt, hat schon viel verloren.

Kurz vor 7 Uhr gings dann ins Wasser. Ich hatte mir vorgenommen, ganz hinten zu starten. Da habe ich Platz und setzte mich nicht unnötig einem Stress aus, der bei mir automatisch kommt, wenn man die Hände anderer Teilnehmer an den Füßen spürt. Da hatte ich mich aber getäuscht. Die Idee von hinter zu starten hatte nicht nur ich, sondern auch einige andere Teilnehmer. Nach der deutschen Nationalhymmne und dem Start Coutdown ging es nun endlich los. Die Stoppuhr drücken und ab geht es. Bloß nicht zu schnell Kraulen. Rythmus finden. Ich habe genug Zeit. Der Tag ist ja noch so lang. Schnell habe ich eine der Regattabahnleinen gefunden. Diese Leinen, die ca 1 Meter unter der Wasseroberfläche verlaufen, um die Bahnen abzuteilen, sich für mich sehr wichtig. Ohne diese verliere ich schnell die Richtung, da ein Arm etwas stärker zieht als der andere. Dann muß man im Hundekraul wieder die Richtung suchen. Das stört das gleichmäßige Schwimmen. Schnell habe ich den Eindruck fast alleine zu sein. Die Anderen sind alle weg? Dieses Gefühl ändert sich aber an der Wendeboje. Links, rechts, vor und hinter mir sind doch Schwimmer. Die Hälfe der Schwimmstrecke ist nun schon geschafft. Jetzt geht es wieder zurück. Wieder an der Leine lang. Auf dem Rückweg habe ich einen Begleiter auf der anderen Leinenseite. Ich fühle mich gut. Nach 1 Stunde und 23 Minuten habe ich die 3,8 KM geschafft. Aus dem Wasser raus - und Laufen klappt nicht. Die Motorik ist  durcheinander. Von Schritt zu Schritt wird es besser. Beim Laufen wird schon der Kälteschutzanzug (Neopren) halb ausgezogen. Rein geht es in die Wechselzone, Anzug ganz aus, Radschuhe an, Helm auf, Startnummer an, Rad aus der Wechselzone schieben, aufsitzen und wiedermal los gehts.

Ich höre in den Körper rein. Fühlt sich alles gut an. Bloß nicht zu schnell werden. Noch fühl ich mich stark. Aber ich weiß, das dieses Gefühl auch mal verschwindet. "Körner", die man zu früh verbraucht hat, sind weg und fehlen später. An mir schießen andere Teilnehmer auf ihren Rädern vorbei. Egal! Ich versuche nicht schneller zu werden. An diesem Tag ist leider sehr starker Wind. Mit dem Wind im Rücken klappt es sehr gut. Kommt aber der Wind von vorn,  geht die Geschwindigkeit rapide runter und es fällt so schwer. Die 180KM Rad sind in 4 Runden aufgeteilt. Meine beiden Fans sehe ich 2 mal pro Runde. Ich freue mich auch immer wieder auf dem Moment, wenn ich bei ihnen vorbeikomme. Alles klappt ganz gut. Jede Stunde nehme ich einen Verpflegungsriegel zu mir. Dann bekomme ich ein Ekelgefühl auf meine Verpflegung und esse auf den Rad nichts mehr. Nur noch trinken. 3 Runden klappen sehr gut. Ab 150 KM auf dem Rad werden die Beine schwer. Es läuft nicht mehr so gut und und wünsche mir das Laufen herbei. Der Blick auf den Tacho kommt immer öfters. Wann sind endlich die Kilometer vorbei. 180 KM steht auf dem Tacho und noch nicht am Ziel. Endlich bei 182 KM bin ich da. Runter vom Rad. In der Wechselzone muß gelaufen werden. Ich kann gar nicht mehr laufen. Als wenn die Beine den Körper nicht mehr tragen könnten. Aber es geht doch. In der Wechselzone die Radschuhe aus und die Laufschuhe an. Nun nur noch den Marathon. 4 Runden je 7 KM um den Fühlinger See und zum Schluß 14 KM zum Ziel. Der letzte Abschnitt des Wettkampfes hat begonnen. Laufen klappt gar nicht. Aber das kenne ich ja aus früheren Triathlons. Bei ca. 5 KM wurde es immer besser. Laß schnell diese 5 KM vorbeigehen. Aber nichts wird besser. Es wird alles schlimmer. Es fällt schwer und alles tut weh. Wieviel KM habe ich noch vor mir? Neiiiin!!! Bloß nicht dran denken. Das Ziel ist der nächste KM und dann der nächste KM. Immer weiter so. Die Fans an der Stecke feuern an. Mehr kann man nicht anfeuern. Aber die Kraft ist weg. Nur noch Kampf. Am Ende der 1. Runde will mir eine Frau ein Armband geben. Brauch ich nicht!! Natürlich brauch ich das. Damit werden die gelaufenen Runden markiert. Fehlt Blut in meinem Kopf, dass ich auf so was nicht selbst komme. Nun schau die auf die anderen Läufer. Wieviele Bänder haben die am Arm? Schon 3 und ich erst 1. Schau nach unten. Achte nicht auf die Anderen. Und irgendwann bekomme ich mein 2. Band. Da habe ich schon drauf gewartet, ja fast den Arm schon ausgestreckt, damit mir das 2. Band auf den Arm geschoben wird. Die Hälfte der Runden habe ich schon hinter mir. An die 14 KM in die Stadt rein denkt ich gar nicht. Immer wenn eine Runde vorbei ist stehen meine Lieben an der Seite und feuern mich an oder fragen nach meinem Zustand. Mein Feund Manni ist auf der Laufstrecke auch an meiner Seite. "Quäl dich! Hau rein! Lauf endlich!" Ich höre die Worte, aber ich kann es nicht umsetzen. In der 3. Runde spüre ich in einem Schuh zwischen 2 Zehen eine Blase wachsen. Halte ich es bis ins Ziel aus? Die Vernunft siegt und bei einer Bank ziehe ich den Schuh und den Socken aus. Zu meinem Glück hat ein Mitbürger seine leere Zigarettenschachtel nicht in den Papierkorb geworfen. Die nehne ich nun, und reiße ein Stück Pappe ab. Dies kommt zwischen die Zehen. Wieder Socke und Schuh an und weiter. Oh nein! Ein Stein ist nun im Schuh. Wieder stoppen Schuh aus, Stein raus, Schuh an und weiter. Kein Schmerz mehr an den Zehen. Ich bin nun froh, dass ich mir die Zeit genommen habe. Später läuft ein anderer Teilnehmer auf mich auf und bleibt neben mir. "Zusammen läuft es sich besser" sagt er und recht hat er. Wir reden. Das tut gut. Am Ende der Runde bekomme ich mein 3. Bändchen und er sein 4tes. "Viel Glück" wünschen wir uns gegenseitig. Nur noch eine Runde und den Rest zum Ziel. Auch die 4. Runde geht irgendwann vorbei. 3 mal habe ich eine halbe Banane gegessen. Bloß keine mehr. Ich habe wieder einen Ekel auf Essen. Auf den letzen 14 KM geht es mir schon wieder besser. Das Tief ist überwunden. Zusammen mit einem neuen Partner laufen wir dem Ziel entgegen. Selbst die letzte Hürde, die Deutzer Brücke, wird geschafft. Und das Ziel ist in Sichtweite. Jetzt kommt der Schlußspurt. Ich höre den Sprecher vom Ziel. Peter Czerwinski vom LV Stommeln kommt nun, höre ich. Sein Laufstil ist nicht mehr ganz rund. Nicht mehr ganz rund? Wer läuft besser als ich? 50 Meter vor dem Ziel stehen meine beiden Fans. Und meine beiden Söhne, der eine mit Anhang. Wie sind denn die hierhergekommen?  Und natürlich Manni. Alle werden abgeklatscht. Dann ist das Ziel endlich da. Es ist nicht der schönste Tag in meinem Leben, aber doch ein schönes Gefühl, es geschafft zu haben. 13 Stunden und 11 Minuten habe ich gebraucht. Eigentlich wollte ich etwas schneller sein. Aber wie meine Tochter sagte: Wenn Plan A nicht klappt, dann Plan B (ankommen, egal welche Zeit).

 

Als ich mich geduscht und umgezogen auf den Weg nach zu Hause mache, höre ich, dass die letzten beiden Teilnehmer den Fühlinger See verlassen und nun "nur" noch 14 KM vor sich haben. Zum Glück bin ich im Ziel.

 

 

 

 

Mit sportlichen Grüßen an alle (St)Ommler

 Peter Czerwinski

LVS Jood Höpp!!
 

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Peter Czerwinski


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erstellt 09.10.2008