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Im Herbst
2007 habe ich mich für den Ultratriathlon 2008 in Köln angemeldet. Da wußte
ich noch nicht, daß ich im Sommer 2008 ca. 12 Stunden täglich durch meinen
Beruf nicht zu Hause bin. Also pro Tag nur 12 Stunden Zeit für Schlafen,
Familie und Training. Da mußten die langen Einheiten am Wochenende
erfolgen. Samstags morgens langen Lauf. Der ist 32KM lang. Zum Glück für
mich läuft meine Frau Marathon und deshalb war es kein Problem, dass sie
mich dann begleitet. Sonntags morgens früh auf und 170KM auf dem Rad. Dann
war ich gegen Mittag wieder zu Hause. Samstags oder Sonntags Abend ab zum
Fühlinger See. 2KM Schwimmen bei dem mich meine Frau dann am Rand
begleitete.
Nun aber war
der Tag gekommen. Meine Frau und meine Tochter sind als Fans mitgekommen. Da
um 7 Uhr schon der Start ist mußte ich früh aus den Federn, damit der Körper
auf Touren kommt. Der Start muß jetzt aber auch endlich erfolgen, da die
Familie schon unter meiner Nervosität, die in den letzten Tagen vor dem
Start immer größer wurde, ein wenig zu leiden hatte. In den letzten Tage
laufen im Kopf immer wieder die gleichen Fragen ab.
Ich habe
versucht, die Möglichkeit des Nichtankommens aus meinen Gedanken zu
streichen, evtl. auch verursacht durch eine Reifenpanne, durch Krämpfe beim
Schwimmen, Radfahren oder Laufen. Mentale Stärke ist sehr wichtig. Wer nicht
an sich glaubt, hat schon viel verloren.
Kurz vor 7
Uhr gings dann ins Wasser. Ich hatte mir vorgenommen, ganz hinten zu
starten. Da habe ich Platz und setzte mich nicht unnötig einem Stress aus,
der bei mir automatisch kommt, wenn man die Hände anderer Teilnehmer an den
Füßen spürt. Da hatte ich mich aber getäuscht. Die
Idee von hinter zu starten hatte nicht nur ich, sondern auch einige andere
Teilnehmer. Nach der deutschen Nationalhymmne und dem Start Coutdown ging es
nun endlich los. Die Stoppuhr drücken und ab geht es. Bloß nicht zu schnell
Kraulen. Rythmus finden. Ich habe genug Zeit. Der Tag ist ja noch so lang.
Schnell habe ich eine der Regattabahnleinen gefunden. Diese Leinen, die ca 1
Meter unter der Wasseroberfläche verlaufen, um die Bahnen abzuteilen, sich
für mich sehr wichtig. Ohne diese verliere ich schnell die Richtung, da ein
Arm etwas stärker zieht als der andere. Dann muß man im Hundekraul wieder
die Richtung suchen. Das stört das gleichmäßige Schwimmen. Schnell habe ich
den Eindruck fast alleine zu sein.
Die
Anderen sind alle weg? Dieses Gefühl ändert sich aber an der Wendeboje.
Links, rechts, vor und hinter mir sind doch Schwimmer. Die Hälfe der
Schwimmstrecke ist nun schon geschafft. Jetzt geht es wieder zurück. Wieder
an der Leine lang. Auf dem Rückweg habe ich einen Begleiter auf der anderen
Leinenseite. Ich fühle mich gut. Nach 1 Stunde und 23 Minuten habe ich die
3,8 KM geschafft. Aus dem Wasser raus - und Laufen klappt nicht.
Die Motorik ist durcheinander. Von Schritt zu
Schritt wird es besser. Beim Laufen wird schon der Kälteschutzanzug (Neopren)
halb ausgezogen. Rein geht es in die Wechselzone, Anzug ganz aus, Radschuhe
an, Helm auf, Startnummer an, Rad aus der Wechselzone schieben, aufsitzen
und wiedermal los gehts.
Ich höre in
den Körper rein. Fühlt sich alles gut an. Bloß nicht zu schnell werden. Noch
fühl ich mich stark. Aber ich weiß, das dieses Gefühl auch mal verschwindet.
"Körner", die man zu früh verbraucht hat, sind weg und fehlen später. An mir
schießen andere Teilnehmer auf ihren Rädern vorbei. Egal!
Ich versuche nicht schneller zu werden. An diesem Tag ist leider sehr
starker Wind. Mit dem Wind im Rücken klappt es sehr gut.
Kommt
aber der Wind von vorn, geht die Geschwindigkeit rapide runter und es
fällt so schwer. Die 180KM Rad sind in 4 Runden
aufgeteilt. Meine beiden Fans sehe ich 2 mal pro Runde. Ich freue mich auch
immer wieder auf dem Moment, wenn ich bei ihnen vorbeikomme. Alles klappt
ganz gut. Jede Stunde nehme ich einen Verpflegungsriegel zu mir. Dann
bekomme ich ein Ekelgefühl auf meine Verpflegung und esse auf den Rad nichts
mehr. Nur noch trinken. 3 Runden klappen sehr gut. Ab 150 KM auf dem Rad
werden die Beine schwer. Es läuft nicht mehr so gut und und wünsche mir das
Laufen herbei. Der Blick auf den Tacho kommt immer öfters. Wann sind endlich
die Kilometer vorbei. 180 KM steht auf dem Tacho und noch nicht am Ziel.
Endlich bei 182 KM bin ich da. Runter vom Rad.
In der Wechselzone muß
gelaufen werden. Ich kann gar nicht mehr laufen. Als wenn die Beine den
Körper nicht mehr tragen könnten. Aber es geht doch. In der Wechselzone die
Radschuhe aus und die Laufschuhe an. Nun nur noch den Marathon. 4 Runden je
7 KM um den Fühlinger See und zum Schluß 14 KM zum Ziel. Der letzte
Abschnitt des Wettkampfes hat begonnen. Laufen klappt gar nicht. Aber das
kenne ich ja aus früheren Triathlons. Bei ca. 5 KM wurde es immer besser.
Laß schnell diese 5 KM vorbeigehen. Aber nichts wird besser. Es wird alles
schlimmer. Es fällt schwer und alles tut weh. Wieviel KM habe ich noch vor
mir? Neiiiin!!! Bloß nicht dran denken. Das Ziel ist der nächste KM und dann
der nächste KM. Immer weiter so. Die Fans an der Stecke feuern an. Mehr kann
man nicht anfeuern. Aber die Kraft ist weg. Nur noch Kampf. Am Ende der 1.
Runde will mir eine Frau ein Armband geben. Brauch ich nicht!! Natürlich
brauch ich das. Damit werden die gelaufenen Runden markiert. Fehlt Blut in
meinem Kopf, dass ich auf so was nicht selbst komme. Nun schau die auf die
anderen Läufer. Wieviele Bänder haben die am Arm? Schon 3 und ich erst 1.
Schau nach unten. Achte nicht auf die Anderen. Und
irgendwann bekomme ich mein 2. Band. Da habe ich schon drauf gewartet, ja fast den Arm schon
ausgestreckt, damit mir das 2. Band auf den Arm geschoben wird. Die Hälfte
der Runden habe ich schon hinter mir. An die 14 KM in die Stadt rein denkt
ich gar nicht. Immer wenn eine Runde vorbei ist stehen meine Lieben an der
Seite und feuern mich an oder fragen nach meinem Zustand. Mein Feund Manni
ist auf der Laufstrecke auch an meiner Seite. "Quäl
dich! Hau rein! Lauf endlich!" Ich höre die Worte, aber ich kann es nicht umsetzen. In der 3.
Runde spüre ich in einem Schuh zwischen 2 Zehen eine Blase wachsen. Halte
ich es bis ins Ziel aus? Die Vernunft siegt und bei einer Bank ziehe ich den
Schuh und den Socken aus. Zu meinem Glück hat ein Mitbürger seine leere
Zigarettenschachtel nicht in den Papierkorb geworfen. Die nehne
ich nun, und reiße ein Stück Pappe ab. Dies kommt zwischen die Zehen. Wieder
Socke und Schuh an und weiter. Oh nein! Ein Stein ist nun im Schuh. Wieder
stoppen Schuh aus, Stein raus, Schuh an und weiter. Kein Schmerz mehr an den
Zehen. Ich bin nun froh, dass ich mir die Zeit genommen habe.
Später
läuft ein anderer Teilnehmer auf mich auf und bleibt
neben mir. "Zusammen läuft es sich besser" sagt er und recht hat er. Wir
reden. Das tut gut. Am Ende der Runde bekomme ich mein 3. Bändchen und er
sein 4tes. "Viel Glück" wünschen wir uns gegenseitig. Nur noch eine Runde
und den Rest zum Ziel. Auch die 4. Runde geht irgendwann vorbei. 3 mal habe
ich eine halbe Banane gegessen.
Bloß keine mehr. Ich habe wieder einen Ekel auf Essen. Auf den letzen 14 KM
geht es mir schon wieder besser. Das Tief ist überwunden. Zusammen mit einem
neuen Partner laufen wir dem Ziel entgegen. Selbst die letzte Hürde, die Deutzer Brücke, wird geschafft. Und das Ziel ist in Sichtweite. Jetzt kommt
der Schlußspurt. Ich höre den Sprecher vom Ziel. Peter Czerwinski vom LV
Stommeln kommt nun, höre ich. Sein Laufstil ist nicht mehr ganz rund. Nicht
mehr ganz rund? Wer läuft besser als ich? 50 Meter vor dem Ziel stehen meine
beiden Fans. Und meine beiden Söhne, der eine mit Anhang. Wie sind denn die hierhergekommen?
Und natürlich Manni. Alle werden abgeklatscht. Dann
ist das Ziel
endlich
da. Es ist nicht der schönste Tag in meinem Leben, aber doch ein schönes
Gefühl, es geschafft zu haben. 13 Stunden und 11 Minuten habe ich gebraucht.
Eigentlich wollte ich etwas schneller sein. Aber wie meine Tochter sagte:
Wenn Plan A nicht klappt, dann Plan B (ankommen, egal welche Zeit).
Als ich mich
geduscht und umgezogen auf den Weg nach zu Hause mache, höre ich, dass die
letzten beiden Teilnehmer den Fühlinger See verlassen und nun "nur" noch 14
KM vor sich haben. Zum Glück bin ich im Ziel.


Mit sportlichen Grüßen an alle (St)Ommler
Peter Czerwinski
LVS Jood Höpp!!
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